Digitale Brunsterkennung bei KühenDigitale Brunsterkennung bei Kühen

Brünstige Kühe rechtzeitig erkennen – mit digitalen Sensoren

Eine automatische Brunsterkennung durch Sensoren spart im Kuhstall Arbeitszeit und überzeugt durch hohe Brunsterkennungsraten. Jede übersehene Brunst kostet etwa 40 bis 80 Euro.

Gute Fruchtbarkeit der Milchkühe ist die Basis für eine erfolgreiche Milchproduktion. Unfruchtbarkeit wird oft als häufigster Abgangsgrund für Kühe genannt. Laut Jahresbericht der Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung, vit, verliessen in 2021  17,5 Prozent der Kühe aus diesem Grund den Betrieb.

Nicht immer sind gesundheitliche Probleme der Grund für mangelnde Fertilität. Häufig werden brünstige Kühe einfach nicht erkannt.

Immer mehr Kühe mit hohen Milchleistungen zeigen kaum oder nur sehr kurz Brunstsymptome oder haben ihren Brunsthöhepunkt in der Nacht. Erschwert wird die Brunstbeobachtung auch durch Hitzestress. Leiden Kühe unter Hitzestress, ist die Brunstaktivität oft deutlich geringer ausgeprägt. Brunsterkennung im Kuhstall kostet Zeit. Idealerweise soll eine Person die Herde dreimal täglich 15 Minuten beobachten, um möglichst alle brünstigen Kühe zu erkennen. Das können viele Milcherzeugerinnen und Milcherzeuger zeitlich nicht leisten. Digitale Systeme können helfen, brünstige Kühe leichter zu erkennen.

Sensoren erfassen Bewegungen der Kühe

Sensoren zur Brunsterkennung haben deutliche Vorteile. Sie entlasten den Milchviehhalter oder die Milchviehhalterin nicht nur zeitlich, sondern erkennen zuverlässig auch schwache Brünste. Die Sensortechnik basiert darauf, die gesteigerte Bewegungsaktivität in der Vorbrunst zu erfassen. Die Daten werden mit den durchschnittlichen Bewegungsmustern der jeweiligen Kuh verglichen. Weichen sie davon ab, wird ein Alarm ausgelöst. Die Erfassung der Bewegungsaktivität kann mit verschiedenen Sensoren erfolgen:

  • Pedometer: Pedometer sind an den Beinen der Kuh befestigt und erfassen die Schrittzahl. Moderne Geräte können zudem auch zwischen Steh- und Liegezeiten unterscheiden.
  • Halsbandsensor: Bewegungssensoren, die per Halsband am Hals der Kühe befestigt werden, messen mit Hilfe eines Drei-Achsen-Systems die Bewegungsart. Ist die Kuh brünstig, führt sie durch das Aufspringen auf andere Kühe spezifische Bewegungen aus.
  • Pansenboli und Ortungssysteme: Auch Pansenboli oder Ortungssysteme können die Bewegungsaktivität erfassen.

Hohe Brunsterkennungsraten

In der Praxis hat sich die automatische Brunsterkennung bewährt. Die guten Erfahrungen bestätigen verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen, die Brunsterkennungsraten durch Sensoren zwischen 85 und 95 Prozent belegen. 

Durch die Aufzeichnung der Bewegungsaktivität kann sowohl der Beginn der Brunst als auch der Aktivitätshöhepunkt festgestellt werden. Hieraus lässt sich der optimale Besamungszeitpunkt ableiten.

Die Brunst dauert im Mittel etwa 17 Stunden. Die besten Konzeptionsraten verspricht nach wissenschaftlichen Untersuchungen eine Belegung der Tiere acht bis zwölf Stunden nach dem Aktivitätspeak.

Wird der Brunstbeginn zugrunde gelegt, sollten die Kühe 16 bis 22 Stunden später besamt werden.

Einige Sensorsysteme zur Brunsterkennung geben zusätzlich Empfehlungen zum besten Besamungszeitpunkt. Besonders erfolgreich kann der Einsatz von Systemen zur automatischer Brunsterkennung bei Jungrindern sein. Bei unzureichender Brunstbeobachtung werden die Jungrinder oft zu spät belegt. Durch den Einsatz automatischer Brunsterkennungssysteme lässt sich das gewollte Erstbelegungsalter besser treffen.

Tierindividuell Fruchtbarkeitsstörungen erkennen

Systeme, die neben der Bewegungsaktivität auch andere Vitalitätsfaktoren - wie beispielsweise das Wiederkäuen erfassen - , erleichtern nicht nur die Überwachung der Fruchtbarkeit, sondern liefern auch wertvolle Daten zur Gesundheit der Tiere.

Normalerweise startet eine gesunde Kuh ab dem 21. Laktationstag mit dem neuen Zyklus, eine Färse nach dem 30. Laktationstag. Kühe mit gesundheitlichen Problemen wie Stoffwechselerkrankungen oder Zysten haben oft einen verzögerten Zyklusstart. Deshalb ist es sinnvoll, die ersten Brünste in der freiwilligen Rastzeit bis zur ersten Besamung zu dokumentieren.

Automatische Brunsterkennungssysteme leisten hier gute Dienste. Bleibt die Brunst aus, sollte die Kuh tierärztlich untersucht werden. Durch die Vernetzung von Sensordaten mit den Daten aus dem Herdenmanagementsystem können Fruchtbarkeitsstörungen für jede Kuh im Zeitablauf analysiert werden.

Brunsterkennungssysteme rechnen sich

Die Sensoren erfassen brünstige Kühe auch zu Zeiten, in denen kein Mensch im Stall ist. Zudem dokumentieren sie die Brunst auch dann, wenn die Kühe kaum oder gar keine Brunstanzeichen zeigen oder nur eine kurze Brunst haben. Eine gute Brunsterkennung ist damit wirtschaftlich bedeutend, denn jede übersehene Brunst kostet etwa 40 bis 80 Euro. In einer Studie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) wurden die Kosten für automatische Brunsterkennungssysteme und ihr Nutzen gegenübergestellt.

Die Studie der LfL Bayern zeigt, dass sich die Investition für die meisten Betriebe lohnt.

Die Vorteile ergeben sich aus einer besseren Brunsterkennungsrate und häufig kürzeren Zwischenkalbezeiten. Dadurch steigt auch die Anzahl der geborenen Kälber pro Jahr. Besonders lohnend kann ein automatisches Brunsterkennungssystem sein, wenn es bei den Jungrindern eingesetzt wird.

Einige digitale Assistenzsysteme geben Empfehlungen für den optimalen Besamungszeitpunkt. Für die meisten Betriebe rechnet sich die Investition in Sensortechnik zur Brunstbeobachtung, weil der Zeitaufwand für die Tierbeobachtung sinkt und Zwischenkalbezeit kürzer wird.


Letzte Aktualisierung 14.12.2022

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