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Rindermast in Deutschland – Ein Überblick

Deutschland ist zweitgrößter Rindfleischerzeuger der EU. Fast die Hälfte des hierzulande produzierten Rindfleischs stammt aus der Bullenmast.

Die Rindfleischerzeugung steht in Deutschland auf Rang fünf der wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionszweige – hinter Milch, Schweinen, Getreide und Futterpflanzen. Mit einem Produktionswert von 3,5 Milliarden Euro (2020) trägt sie sechs Prozent zum gesamten landwirtschaftlichen Produktionswert bei.

Wie viel Rindfleisch essen die Deutschen?

Der Pro-Kopf-Verzehr an Rindfleisch lag 2021 bei 9,4 Kilogramm. Der durchschnittliche jährliche Gesamtverzehr an Fleisch liegt hierzulande bei 55,3 Kilogramm.

2020 produzierten deutsche Rinderhalter rund 1,1 Millionen Tonnen Rind- und Kalbfleisch. Das sind genau 16 Prozent der in der EU (EU 27) angelieferten Rindfleischmenge. Damit ist Deutschland – nach Frankreich (1,4 Mio. Tonnen) – zweitgrößter Rindfleischerzeuger der EU.

Etwa 393.000 Tonnen – das sind rund 36 Prozent der hierzulande erzeugten Rindfleischmenge – gingen 2020 in den Export. Umgekehrt wurden 551.000 Rindfleisch importiert. Das heißt, es wurde mehr eingeführt als ausgeführt.

Rindfleisch stammt aus verschiedenen Haltungsformen

Fast die Hälfte des in Deutschland erzeugten Rindfleischs stammt von Jungbullen. Dabei handelt es sich um männliche Tiere im Alter von ein bis zwei Jahren, die explizit zur Fleischerzeugung gehalten werden. Fleisch von Zuchtbullen spielt dagegen so gut wie keine Rolle mehr. Denn aufgrund der heute vorherrschenden künstlichen Besamung in der Milchviehhaltung und der geringen Bedeutung der Mutterkuhhaltung (nur 14 % der Gesamtkuhzahl) ist ihre Zahl nur noch verschwindend gering.

Weitere 32 Prozent des Rindfleischs in Deutschland stammt von (Alt-)Kühen aus Milchvieh- und Mutterkuhherden. Fleisch von Färsen, Jungrindern (8 bis 12 Monate), Kälbern (< 8 Monate) und Ochsen macht hierzulande zusammen rund 22 Prozent aus.

Woher kommen die Tiere für die Jungbullenmast?

Die meisten Jungbullen in Deutschland werden in milchviehhaltenden Betrieben geboren und gehören zu spezialisierten Milchrassen (Schwarzbunte, Rotbunte, Holstein-Friesian) oder zu den milchbetonten Zweinutzungsrassen Fleckvieh und Braunvieh. Unter diesen Rassen haben die Fleckvieh-Bullen die höchsten täglichen Zunahmen. Ein weiterer Teil der Jungbullen stammt aus der Mutterkuhhaltung. Dabei handelt es sich oft um spezialisierte Fleischrassen wie Charolais und Limousin) und ihre Kreuzungen.

Ab welchem Alter die Mast beginnt, hängt häufig von Herkunft und Rasse ab:

Regionale Schwerpunkte der Bullenmast

Schätzungsweise 820.000 Mastbullen gab es im Mai 2021 in Deutschland. Schwerpunktländer der Bullenmast sind Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus spielt die Bullenmast in Schleswig-Holstein noch eine bedeutende Rolle. Rund 80 Prozent aller deutschen Mastbullen leben in diesen vier Bundesländern.

Laut Thünen Institut für Betriebswirtschaft halten deutsche Bullenmastbetriebe im Schnitt 13 Tiere. Verglichen mit anderen Ländern Europas und der Welt ist das wenig. Der weit überwiegende Teil der Betriebe (75 %) hält weniger als zehn Bullen. Nur sehr wenige Betriebe (2 %) in Deutschland halten dagegen mehr als 100 Tiere. In diesen Betrieben stehen allerdings fast 30 Prozent aller deutschen Mastbullen.

Gemästet wird überwiegend in Intensivmast

In der Bullenmast unterscheidet man vor allem zwischen drei Mastverfahren: Intensiv-, Wirtschafts-, und Weidemast.

Die Intensivmast ist in spezialisierten Bullenmastbetrieben am weitesten verbreitet. Dabei wird das hohe Wachstumspotenzial der Bullen durch eine sehr nährstoffreiche Fütterung mit energiereicher Maissilage als Grundfutter und Kraftfutterergänzung von Anfang an voll ausgeschöpft. Die Wirtschaftsmast strebt dagegen hohe Tageszunahmen erst zu einem späteren Mastabschnitt an. Dann lässt sich der Nährstoffbedarf der Tiere wegen des größeren Futteraufnahmevermögens besser über wirtschaftseigenes, hochverdauliches Grundfutter decken und es muss weniger teures Kraftfutter gefüttert werden.

Die Ausgestaltung des jeweiligen Mastverfahrens richtet sich in erster Linie nach der eingesetzten Rasse. So müssen für fleischbetonte Rinderrassen mit hohem Wachstumspotenzial wie Fleckvieh, Gelbvieh oder Charolais andere Strategien gefahren werden als für weniger wachstumsintensive milchbetonte Rassen wie zum Beispiel Deutsche Holsteins. Auch das Alter der Tiere spielt eine wichtige Rolle für das Mastverfahren.

Gruppenhaltung ist Standard

Die Haltungsbedingungen sind in den intensiven Verfahren der Rindermast weitestgehend standardisiert. Meist werden die Tiere in Gruppenbuchten mit sechs bis acht Tieren auf Vollspaltenboden gehalten. Es gibt aber auch Haltungen mit Tretmist, in denen eine mit Stroh eingestreute Liegefläche mit einer planbefestigten Fressfläche kombiniert wird. Jungtiere werden unabhängig vom Stallsystem in der Mast bis zum Absetzen von der Milch auf Stroh oder auf weichen Liegeflächen gehalten.

Bei der Weidemast werden die Tiere saisonal oder ganzjährig auf der Weide gehalten. Zukauffutter wird nur in den Wintermonaten und in der Endmastphase verwendet. Die Weidemast hat in Deutschland allerdings nur wenig Bedeutung.

Ökologische Rindermast

Laut der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) nimmt die Erzeugung von Bio-Rindfleisch seit Jahren stetig zu. 64.400 Tonnen (Schlachtgewicht) Bio-Rindfleisch wurden 2020 erzeugt. Das sind 5,7 Prozent der gesamten Rindfleischproduktion in Deutschland. Ein großer Teil des Fleischs stammt von Altkühen aus der Milchviehhaltung. Aber auch die ökologische Mutterkuhhaltung trägt ihren Teil dazu bei. Knapp 30 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Mutterkühe leben inzwischen auf Bio-Betrieben (2020). Das liegt daran, dass diese Form der Haltung den ökologischen Haltungsanforderungen mit viel Auslauf am nächsten kommt. Allerdings wird noch ein Großteil der aus der Bio-Mutterkuhhaltung stammenden Absetzer und Jungbullen in konventionellen Betrieben gemästet.

Anders als in der konventionellen Rindermast spielt im Ökolandbau auch die Ochsen- und Färsenmast eine Rolle. Denn Ochsen und Färsen können im Gegensatz zu Bullen problemlos auf der Weide gehalten werden. Damit kann das für alle Öko-Wiederkäuer geltende Sommerweidegebot gewährleistet werden.

Letzte Aktualisierung 29.04.2022

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