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Milchviehhaltung in Deutschland – Ein Überblick

Die Milchviehhaltung ist der wichtigste Betriebszweig der deutschen Landwirtschaft. Darüber hinaus ist Deutschland größter Milcherzeuger der EU.

Innerhalb Deutschlands ist die Milcherzeugung der wichtigste Produktionszweig der Landwirtschaft. Mit einem Produktionswert von 11,2 Milliarden Euro (2019) liegt sie noch vor der Schweinemast (8 Mrd. Euro) und trägt damit etwa 19 Prozent zum gesamten landwirtschaftlichen Produktionswert bei.

2019 lieferten die deutschen Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter rund 31,7 Millionen Tonnen Kuhmilch an die Molkereien. Das ist mehr als ein Fünftel der in der EU (EU 28) angelieferten Milchmenge und macht Deutschland damit zum größten Milcherzeuger der EU.

Wohin fließt die deutsche Milch?

Ein großer Teil der deutschen Milch ist für den Außenhandel bestimmt. Nach der Verarbeitung in deutschen Molkereien wird etwa die Hälfte der Menge in Form von Milch- und Molkereiprodukten exportiert. Der größte Teil davon geht in EU-Mitgliedsstaaten. Darunter sind Niederlande und Italien die bedeutendsten.

Jeder fünfte Betrieb hält Milchkühe

Im Mai 2020 zählte das Statistische Bundesamt etwa 4 Millionen Milchkühe, die in 58.350 Betrieben in Deutschland gehalten wurden. Das heißt, rund jeder fünfte landwirtschaftliche Betrieb hierzulande ist ein Milchviehbetrieb.

 

Die meisten Milchkühe stehen in Bayern (1,12 Millionen Tiere) und Niedersachsen (rund 822.200 Tiere). Damit stellen diese beiden Bundesländer allein knapp die Hälfte des gesamten deutschen Milchkuhbestands.

In Bayern werden zwar die meisten Kühe gehalten, gleichzeitig ist Bayern aber auch das Bundesland mit den kleinsten Milchkuhherden. Im Schnitt halten bayerische Milchviehbetriebe 42 Tiere. Häufig werden diese kleinen Milchviehbetriebe im Nebenerwerb geführt. Im extremen Gegensatz dazu der Osten Deutschlands: Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern halten im Durchschnitt 235 Tiere, solche in Brandenburg 232.

Die meisten Milchkühe in Deutschland werden in Herden zwischen 50 und 99 Milchkühen gehalten.

Immer weniger Betriebe…

In den letzten 50 Jahren hat sich in der Milcherzeugung ein starker Strukturwandel vollzogen. Die Anzahl der Milchbetriebe ist kontinuierlich zurückgegangen, während der durchschnittliche Kuhbestand je Haltung anstieg. Zwischen 1970 und 2020 ist die Zahl der Milchviehhaltungen von rund 762.660 auf 58.350 gesunken. Die durchschnittliche Anzahl der Tiere je Haltung hat sich im gleichen Zeitraum von 7 auf 68 erhöht.

…produzieren immer mehr Milch

Die Jahresmilchleistung konnte dagegen durch Züchtung und verbessertes Management über die Jahrzehnte enorm gesteigert werden: Heute erzeugt eine Kuh im Schnitt 8 250 Kilogramm Milch pro Jahr. 1970 waren es 3.280 Kilogramm. Damit liegt die Milchleistung heute um das 2,5-fache höher als noch vor 50 Jahren.

Produktionskennzahlen und Leistungsdaten in der Milcherzeugung für das Jahr 2018 (konventioneller Milchviehbetrieb mit Holstein-Schwarzbunten)

  • Milchleistung: rund 8.500 kg
  • Fettgehalt: 4,1 %
  • Eiweißgehalt: 3,4 %
  • Abkalbungen je Laktation: 0,98
  • Zwischenkalbezeit: 417 Tage
  • Kälberverluste: 5 %
  • Erstkalbealter: 28,5 Monate
  • Anzahl Laktationen: 2,7
  • Remontierung: 37 %
  • Kuhverluste: 1 %

Laufstallhaltung dominiert

Rund 70 Prozent aller Milchkühe in Deutschland lebt in offenen Laufställen, in denen sich die Tiere frei bewegen können. Der Zahlenwert stammt aus der letzten Landwirtschaftszählung, die inzwischen 10 Jahre zurückliegt. Es darf daher angenommen werden, dass der Anteil inzwischen höher ist, denn Stallneubauten sind seit einigen Jahren fast immer Boxenlaufställe.

Aber auch die Anbindehaltung ist noch zulässig. Sie ist vor allem in sehr kleinen Milchbetrieben vorzufinden, überwiegend im Süden Deutschlands. In der ökologischen Tierhaltung sind Anbindeställe nur noch in Ausnahmefällen für Kleinbetriebe zugelassen. Und auch nur dann, wenn die Tiere regelmäßig Weidegang und Auslauf gewährt bekommen.

42 Prozent der Kühe stehen auf der Weide

Etwa 42 Prozent der deutschen Milchkühe haben im Schnitt etwa fünf Monate pro Jahr Zugang zu Weide. Mittelgroße Betriebe bieten dabei mehr Weidegang als kleine und große Betriebe. In großen Milchviehherden mit über 200 Kühen ist die benötigte Grünlandfläche im betriebsnahen Bereich meist der begrenzende Faktor. In solch großen Betrieben ist der Weidegang daher meist wenig praktikabel. Bei Betrieben mit 50 bis 99 Kühen sieht das anders aus: Hier geht jede zweite Kuh auf die Weide. Viele solcher Betriebe sind auf klassischen Grünlandstandorten zu finden.

Deutsche Holsteins: Die Milchrasse Nr. 1

Im Mai 2020 gab es in Deutschland rund 11,4 Millionen Rinder. Davon gehören 44 Prozent zur Rasse Deutsche Holsteins (schwarzbunt und rotbunt), die zur Nr. 1 der deutschen Milchrassen zählt. Von Bedeutung für die Milcherzeugung sind aber auch Rinder der Doppelnutzungsrasse Fleckvieh. Sie haben bundesweit einen Anteil von 28 Prozent und werden überwiegend in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg gehalten.

Ökologische Milchviehhaltung boomt

Die ökologische Milchviehhaltung erfährt derzeit einen starken Zuwachs, denn immer mehr Milchviehbetriebe in Deutschland stellen auf Ökolandbau um. 2019 haben die Betriebe sechs Prozent mehr Bio-Milch an milchwirtschaftliche Unternehmen geliefert als noch 2018 und 26 Prozent mehr geliefert gegenüber 2017. Damit beträgt der Bio-Anteil an der gesamten Kuhmilch-Anlieferungsmenge 2019 rund 3,7 Prozent.

Mit Öko-Milch sind seit Jahren höhere und stabilere Einnahmen möglich: Im Jahresdurchschnitt 2019 lag der tatsächliche Preis mit 47,63 Cent pro Kilogramm um rund 13 Cent höher als bei konventionell erzeugter Milch mit 34,40 Cent.

246.000 Öko-Milchkühe wurden 2018 in Deutschland gehalten. Damit lebten über sechs Prozent aller Milchkühe in Deutschland auf einem Bio-Betrieb. Dass der Bio-Anteil der Milchproduktion niedriger ist, liegt an der geringeren durchschnittlichen Milchleistung im Bio-Milchviehbetrieb.

Die ökologische Milchviehhaltung ist per Gesetz durch die EU-Öko-Verordnung geregelt. Öko-Milcherzeugerinnen und -erzeuger müssen weit höhere Anforderungen erfüllen als solche, die nach gesetzlichem Standard produzieren. So haben Öko-Milchkühe mehr Platz im Stall und Auslauf ins Freie. Gefüttert werden sie mit ökologischen Futtermitteln.

Etwa die Hälfte aller Ökobetriebe ist Mitglied eines ökologischen Anbauverbands. Diese haben eigene Richtlinien mit zum Teil noch strengeren Anforderungen.

Mehr Infos zur Ökologischen Milchviehhaltung auf oekolandbau.de

Letzte Aktualisierung 08.02.2021

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