Weidehaltung im KlimacheckWeidehaltung im Klimacheck

Weidehaltung nicht klimaschädlicher als intensive Stallhaltung

Eine Studie der Uni Kiel widerlegt die gängige Meinung, dass Milchkühe, die ihr Futter überwiegend als frisches Gras von der Weide aufnehmen, klimaschädlicher sind als hochleistende Kühe in Stallhaltung.

Kühe kommen in Sachen Klimabilanz im Allgemeinen schlecht weg. Vor allem dann, wenn sie extensiv, das heißt vor allem auf der Weide, gehalten werden und nur eine geringe Milchleistung aufweisen. Zu diesem Schluss kamen verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre, die sich mit dieser Thematik befassten, allen voran eine Studie der FAO aus dem Jahr 2010. Viele Autorinnen und Autoren kamen daher zu dem Schluss, dass nur eine Intensivierung der Milchviehhaltung mit hohen Einzeltierleistungen zu einer nennenswerten Reduzierung der Klimagasemissionen beitragen könne.

Metastudie der Uni Kiel belegt: Weidekuh ist kein "Klimakiller"

Dass diese Empfehlung keinen uneingeschränkten Bestand (mehr) hat, zeigt eine Ende 2019 veröffentlichte Metastudie des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Uni Kiel. In ihrer Studie verglichen die Wissenschaftler rund um Prof. Friedhelm Taube 30 verschiedene wissenschaftliche Publikationen, in denen die Klimabilanz von Milchkühen untersucht wurden. Ein wichtiger Ansatz der Kieler Forscher war es, die vielen unterschiedlichen methodischen Ansätze der einzelnen Studien so weit wie möglich zu vereinheitlichen und vergleichbar zu machen. Denn ein wesentlicher Kritikpunkt an der bisherigen Klimabilanzierung der Milchviehhaltung ist es, dass es zu viele verschiedene methodische Ansätze gebe, die letztlich zu unterschiedlichen Interpretationen und Aussagen führten, so die Kieler Forscherinnen und Forscher.

Erstmalig Vergleich verschiedener Produktionssysteme

"Bislang einzigartig in der Studie ist, dass das Produktionssystem als Faktor mit in die Bewertung eingeflossen ist", sagt Thorsten Reinsch, Ko-Autor der Studie. Dafür haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler drei verschiede Haltungssysteme festgelegt. Darunter ein System "Stallhaltung", in dem die Tiere das ganze Jahr über im Stall gehalten werden. Ein zweites System "Weidehaltung", bei dem die Tiere mindestens 50 Prozent des Futters als frisches Gras auf der Weide aufnehmen und zusätzliches Konzentratfutter (z. B. Getreide) maximal 25 Prozent ausmacht. Das dritte System "Gemischte Systeme" beinhaltet jene Systeme die zwischen diesen beiden Ausprägungen liegen. Alle Daten der einbezogenen Studien wurden diesen drei Systemen zugewiesen.

Positive Aspekte der Weidehaltung gleichen geringere Milchmenge aus

Zwar kommt auch die Kieler Studie zu dem Ergebnis, dass die Emissionen zunächst deutlich sinken, wenn der Milchertrag pro Kuh steigt. "Ab einem gewissen Niveau ist der positive Effekt steigender Milchleistungen fürs Klima jedoch deutlich abgeschwächt und hat damit nur noch wenig Bedeutung", so Reinsch.

Vereinfacht, so fasst Reinsch zusammen, heißt das: "Die Milch von grasenden Kühen – und das ist die entscheidende Erkenntnis der Studie – ist nicht klimaschädlicher als die von hochleistenden Kühen in Stallhaltung." Dafür gibt es laut der Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Vielzahl möglicher Gründe: So erfordert die Haltung im Stall einen wesentlich höheren Energieaufwand bei der Futterbergung und Gülleausbringung. Insbesondere wird mehr Kraftstoff verbraucht, weil das Futter gemäht und von den Wiesen und Äckern in die Ställe gefahren werden muss. Außerdem wird bei der Stallhaltung deutlich mehr Konzentratfutter (z. B. Getreide) eingesetzt. Bereits deren Herstellung erzeugt Emissionen, die sich im CO2-Fußabdruck der Milch wiederfinden.

Hinzu kommt: Die Tiere mit Weidegang sind häufig gesünder, weisen eine längere Lebens- und Nutzungsdauer auf, werden nach dem Kalben schneller wieder tragend und können ihr arttypisches Verhalten auf der Weide besser ausleben. Und: Durch die nachhaltige Grünlandproduktion wird im Vergleich zu Silomais der im Boden gespeicherte Kohlenstoff nicht nur geschützt, es wird auch Humus angereichert und damit weiterer Kohlenstoff fixiert.

"Das langjährige Paradigma, dass nur über die Steigerung der Einzeltierleistung die Emissionen je Liter Milch gesenkt werden können und dass intensive Milchviehhaltung im Stall per se klimafreundlicher ist als die extensive Haltung auf der Weide, ist damit nun wiederlegt", so Reinsch. Welches Haltungssystem im Einzelfall das klimafreundlichere ist, kann nach Meinung der Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht eindeutig gesagt werden. Das hänge letztlich von einer Vielzahl von Faktoren ab, denn nicht auf jedem Standort ist ein optimiertes Weidemanagement möglich und zu empfehlen.

Letzte Aktualisierung 08.02.2021

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