Hitzestress vorbeugenHitzestress vorbeugen

Hitzestress bei Milchkühen vorbeugen

Milchviehbetriebe können den zunehmenden Hitzestress bei Kühen mit angepasstem Management und geeigneter Technik im Stall deutlich reduzieren.

Die Folgen von länger anhaltendem Hitzestress bei Kühen sind beträchtlich. Neben Leistungseinbrüchen und schlechteren Milchqualitäten durch geringere Fett- und Eiweißgehalte, können hohe Temperaturen auch die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen. Neben Energiemangel steigt bei Hitze auch das Risiko für eine Pansenübersäuerung, also Acidose, für Eutererkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen.

Mit einem angepassten Herdenmanagement, der richtigen Stalltechnik und stallbaulichen Maßnahmen lassen sich diese negativen Folgen aber deutlich abmildern. Dazu gehört vor allem, die Tiere keinem zusätzlichen Stress auszusetzen.

So ist zum Beispiel bei Hitze eine Überbelegung des Stalls unbedingt zu vermeiden, selbst wenn diese nur vorübergehend erfolgt. Wenn Tiere umgetrieben werden müssen, sollte dies möglichst in den kühleren Morgenstunden geschehen.

Wasserbedarf steigt auf bis zu 180 Liter pro Kuh

Besonders wichtig ist es, die Wasserversorgung sicherzustellen. Denn bei hohen Temperaturen nehmen Kühe bis zu 180 Liter pro Tag auf. Als Faustzahl gilt, dass auf 20 Tiere im Schnitt eine Tränke kommt. Alle Tränken müssen regelmäßig kontrolliert werden, mindestens einmal am Tag. Wichtig ist auch eine hohe Durchflussrate von mehr als 20 Litern pro Minute.

Da der Erhaltungsbedarf von Kühen bei Hitze um bis zu 25 Prozent steigt, die Futteraufnahme aber zurückgeht, ist es besonders wichtig, die Tiere mit genügend Energie zu versorgen. Deshalb sollten nur besonders hochwertige Silagen mit hohen Energiegehalten vorgelegt werden. Um die Energiedichte zu erhöhen, kann auch eine Ergänzung der Ration mit pansenstabilen Fetten wie Propylenglycol oder Glycerin sinnvoll sein.

Damit das Futter nach der Vorlage nicht austrocknet und schmackhaft bleibt, empfiehlt es sich, im Mischwagen zusätzlich Wasser zur Ration zu geben. Die Futteraufnahme kann zusätzlich angeregt werden, indem man die Ration auf dem Futtertisch häufiger anschiebt oder mehrere kleine Rationen am Tag frisch vorlegt.

Kraftfuttermenge anpassen

Obwohl Kühe bei Hitze weniger Futter aufnehmen, fressen sie in der Regel dennoch die volle Kraftfutterration. Damit es nicht zu einer Pansenübersäuerung kommt, kann es sinnvoll sein, die Kraftfuttermenge zu reduzieren oder statt Getreide pansenschonendere Komponenten einzusetzen wie etwa Mais.

Auch der erhöhte Verlust an Mineralien durch das Schwitzen der Tiere muss berücksichtigt werden. So können der Ration etwa zehn Prozent mehr Mineralfutter oder Viehsalz als üblich zugegeben werden. Zusätzlich sollten die Kühe immer freien Zugang zu Salzlecksteinen haben.

Bauliche Lösungen nutzen

Neben einer angepassten Fütterung kommt es bei Hitze vor allem darauf an, die Temperaturen im Stall niedrig zu halten und für einen maximalen Luftaustausch zu sorgen. Dafür sollten alle Seitenwände, Tore und Türen sowie der First geöffnet werden, soweit dies möglich ist.

Im besten Fall wurde eine gute Durchlüftung schon beim Stallbau berücksichtigt und das Gebäude ist quer zur Hauptwindrichtung ausgerichtet.

Vorteile bieten zudem helle, isolierte Dächer, Kaltdächer und begrünte Dächer. Sie alle verringern deutlich die Strahlungswärme. Dunkle Dachflächen und transparente Lichtplatten sollten dagegen vermieden werden.

Ventilatoren richtig anbringen

Anhaltend hohe Temperaturen erfordern zusätzlich den Einsatz von Ventilatoren, um für ausreichende Luftbewegung zu sorgen. Besonders bewährt haben sich Axiallüfter, die bei richtiger Einstellung eine Abkühlung der Stallluft von bis zu sechs Grad Celsius ermöglichen. Wichtig ist vor allem, dass sie im Stall an den richtigen Stellen und in der richtigen Höhe angebracht werden.

Die maximale Kühlwirkung wird erreicht, wenn der Luftstrom seitlich auf den Körper der Tiere trifft. Deshalb sollte der Luftstrom parallel zur Futterachse verlaufen, am besten über den Fressgang und den Liegeboxen.

Auch im Wartebereich vor dem Melkstand und im Melkstand beziehungsweise Melkroboter ist das Aufhängen von Ventilatoren besonders wirkungsvoll. Zudem vertreibt die Luftbewegung auch Fliegen, die die Kühe an heißen Tagen zusätzlich stressen.

Damit Ventilatoren eine ausreichende Kühlwirkung entfalten und gleichzeitig nicht von den Kühen erreicht werden können, hat sich in der Praxis die Anbringung in 2,70 Meter Höhe bewährt. Um den Luftstrom auf die Kühe zu lenken, sollten sie 10 bis 15 Grad nach unten geneigt sein.

Kuhduschen vorsichtig einsetzen

Weitere Abkühlung versprechen Kuhduschen, die Wasser großtropfig auf die Kühe sprühen. Durch das Abtrocknen auf dem Fell entsteht Verdunstungskälte. Damit Liegeboxen und Futter nicht durchnässt werden, empfiehlt es sich, die Duschen über dem Futtergang anzubringen. Wichtig ist, das Wasser in Intervallen zu versprühen, die per Zeitschaltuhr geregelt sind. Bewährt haben sich zum Beispiel drei Minuten sprühen und zwölf Minuten Abtrocknungszeit.

Kuhduschen müssen aber mit Bedacht eingesetzt werden. So muss die angefeuchtete Luft laufend abgeführt werden, da sonst ein Saunaeffekt entsteht und der Hitzestress durch eine hohe Luftfeuchtigkeit weiter forciert wird.

Gleichzeitig dürfen die Ventilatoren zum Abführen der Luft nicht zu scharf eingestellt sein, weil Kühe bei zu starker Abkühlung an einer Lungenentzündung erkranken können.

Aufgrund eines höheren Risikos für Mastitiserkrankungen ist es ratsam, bei Hitze noch mehr auf die Stallhygiene zu achten. Das heißt vor allem, durchgehend für saubere und trockene Liegeflächen zu sorgen, Liegeboxen und Laufgänge auch bei Arbeitsspitzen in der Außenwirtschaft täglich zu reinigen und die Melktechnik regelmäßig zu warten.

Hitzestress auch auf der Weide im Blick haben

Auch Weidegang bedeutet ab einer Außentemperatur von 25 Grad Celsius Stress für Kühe. Neben einer ausreichenden Zahl an funktionierenden Tränken sollte die Weide genügend Schattenplätze für die gesamte Herde bieten.

Optimal ist ein freier Zugang zum Stall. Gibt es weder ausreichend Schatten, noch eine Rückzugsmöglichkeit in den Stall, sollte man sich auf eine Morgen- beziehungsweise Nachtweide beschränken.

Letzte Aktualisierung 21.04.2021

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Bild: MuD Tierschutz, BLE

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