Beschäftigung von JunghennenBeschäftigung von Junghennen

Attraktionen in Stall und Auslauf

Wenn bereits Junghennen genügend Beschäftigungsmaterialien zur Verfügung haben, sinkt deren Neigung, Verhaltensstörungen auszubilden. Auch das Angebot von so genannten Kaltscharrräumen ist aus vielerlei Hinsicht positiv zu bewerten.

Die Beschäftigung von Junghennen ist für deren verhaltensgerechte Aufzucht sehr wichtig. Das zeigen Erfahrungen, die im Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz "Layer HACCP"  gesammelt wurden. Bereits die Küken picken und staubbaden gerne. Wenn einige kritische Kontrollpunkte beachtet werden, wirkt sich ein reichhaltiges Angebot positiv auf die Entwicklung der Junghennen aus.

Das Projekt "Layer HACCP"

Im Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierwohl "Layer HACCP" trug ein Beratungsteam die langjährigen Erfahrungen aus der fachlichen Beratung und der Wissenschaft zusammen und formulierte kritische Kontrollpunkte für die Phase der Junghennenaufzucht, für die Umstallungsphase und für den Zeitraum von der Umstallung bis zur 25. Lebenswoche. Dem Beratungsteam gehörten unter anderem der Tierwohlberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie eine Fachtierärztin der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) an.

1. Kritischer Punkt: Nur attraktives und hygienisch einwandfreies Material einsetzen

Die Basis aller Beschäftigungsmaßnahmen im Junghennenstall ist eine geeignete Einstreu. Darüber hinaus hat es sich bewährt, zusätzliches Material zur Verfügung zu stellen. Wichtig ist, dass die Tiere nur Beschäftigungsmittel erhalten, die für sie unbedenklich sind. Material, das mit dem Schnabel aufgenommen werden kann, sollte über eine futtermittelrechtliche Zulassung verfügen.

Merke:

  • Beschäftigungsmaterialien müssen für die Tiere attraktiv sein. Sie sollten sich stetig verbrauchen. Geschieht das nicht, ist dies ein Hinweis auf die mangelnde Attraktivität des Materials. Werden Beschäftigungsmittel kaum oder gar nicht genutzt, sollte man sie gegen andere austauschen.
  • Das Beschäftigungsangebot auf die jeweilige Herde anpassen; weiße und braune Herden haben unterschiedliche Ansprüche.
  • Das Beschäftigungsangebot mit dem zukünftigen Legehennenhalter abstimmen. So wird vermieden, dass bei der Umstallung Frust aufkommt, wenn die Hennen ihr gewohntes Material nicht zur Verfügung haben.
  • Das Beschäftigungsmaterial trocken und sicher lagern.
  • Bei Picksteinen den Härtegrad beachten. Anfangs sollten weichere Steine zur Gewöhnung eingesetzt werden, da diese besonders attraktiv sind. Haben sich die Tiere an den Stein gewöhnt, kann auf einen härteren Stein umgestellt werden, um den Verbrauch zu begrenzen.
  • Auch beim Beschäftigungsmaterial an die Entsorgung denken: Picksteine können in der Praxis zu Problemen führen, zum Beispiel wenn sie über den Mist unzerkleinert in eine Biogasanlage gelangen. In diesen Fällen sollte darauf geachtet werden, dass die verwendeten Picksteine nicht zu hart sind. Manchmal bietet es sich an, auf Alternativen wie frisches Einstreumaterial oder Luzerneballen zurückzugreifen. Luzerne ist besonders attraktiv und bietet zusätzlich den Vorteil einer Raufutterquelle. Sand wird als Staubbademöglichkeit von den Hennen gerne genutzt. Falls seine Entsorgung bei der Reinigung des Stalls Probleme bereitet, kann auf Stroh- oder Sägemehl ausgewichen werden.

2. Kritischer Punkt: Steigenden Materialverbrauch als Warnsignal ernst nehmen

Ideal ist es, wenn möglichst viele Tiere gleichzeitig Zugang zum Beschäftigungsmaterial haben. Je mehr Material angeboten und je großflächiger es im Stall verteilt wird, desto besser. Experten empfehlen ein Verhältnis von 500 Tieren pro Beschäftigungsmaterial in einer Menge von ein bis zwei Gramm pro Tier.

Merke:

  • Die Beschäftigungsmaterialien regelmäßig auf Verbrauch kontrollieren. Steigt der Verbrauch der Materialien bei unverändertem Angebot an, kann dies bereits als erstes Warnsignal für eine vermehrte Pickaktivität in der Herde gedeutet werden.
  • Verbrauchtes Material direkt nachlegen, und zwar sobald nur noch Reste zu sehen sind.

3. Kritischer Punkt: Sauberes Beschäftigungsmaterial anbieten

Ob ein Beschäftigungsmaterial gut oder weniger gut angenommen wird, hängt auch von der Art und Weise des Angebots ab, zum Beispiel ob es auf dem Boden gereicht wird oder hängend in einem Korb oder Netz.

Jede Darreichungsform hat ihre Vor- und Nachteile. Ständer oder Heunetze helfen, die Materialien sauber zu halten. Werden sie dagegen auf dem Boden präsentiert, kommen sie in Kontakt mit den Ausscheidungen der Tiere und können stark verschmutzen. Andererseits nutzen die Tiere am Boden liegendes Material gerne als Sitzmöglichkeit, bepicken es von oben, scharren es in die Einstreu und arbeiten diese daraufhin gründlich durch.

Merke:

  • Das Beschäftigungsmaterial möglichst sauber anbieten und die Verschmutzung durch Kot verhindern. Wenn die Mittel schlecht angenommen werden oder schnell verschmutzen, sollten Angebotsform und/oder -ort geändert werden.
  • Beschäftigungsmaterial im Aktivitätsbereich anbieten. Das ist in der Regel der Scharrbereich, kann aber auch die Volierenanlage selbst sein. Letztere bietet sich vor allem in den ersten Lebenstagen an, wenn die Tiere noch im System fixiert sind. Ist ein Wintergarten vorhanden, sollten die Junghennen auch dort Beschäftigungsmaterialien vorfinden.

4. Kritischer Punkt: Tiere vom ersten Lebenstag an beschäftigen

Bereits kurz nach dem Schlupf beginnen die Küken damit, ihre Umgebung zu erkunden. Deshalb sollten sie bereits zur Einstallung in die Aufzuchtvolieren einige Beschäftigungsmaterialien vorfinden.

Merke:

  • Das Beschäftigungsmaterial sollte von Anfang an ständig verfügbar und auch für Küken leicht zugänglich sein, damit die Tiere schnell ein Erfolgserlebnis beim Bepicken haben.
  • Material und Darreichungsform dem Alter der Tiere anpassen. Für Küken eignen sich weiche Picksteine, Luzernekrümel auf dem Kükenpapier oder Staubbäder in flachen Schalen.
  • Den Zugang zum eingestreuten Scharrbereich möglichst frühzeitig gewährleisten. Zusätzliches Beschäftigungsmaterial anbieten, um die Tiere aus der Anlage in den Scharrbereich zu locken.

Aus der Praxis

Erfahrungen aus dem Projekt "Layer HACCP" zeigen, das Junghennen Beschäftigungsangebote wie Picksteine, Luzerneballen, Körner in der Einstreu, Rundtränken, Möhren oder eine Beschäftigungsanlage gerne nutzen. Besonders beliebt ist Luzerne. In den Projektbetrieben wurden an einem Luzerneballen durchschnittlich 10 bis 15 Hennen beobachtet, während sich an einem Pickstein in der Regel etwa 5 Tiere beschäftigten. Experten mutmaßen, dass dies sowohl mit der Größe des Materials zusammenhängt als auch mit der Möglichkeit, daran zu picken, zu fressen und zu scharren.

Im Projekt wurde auch eine so genannte PickPuck-Anlage getestet, eine automatische Beschäftigungsanlage. Sie ermöglicht das gleichzeitige Beschäftigen einer großen Anzahl von Tieren, und zwar 500 Tiere pro Pickteller. Es zeigte sich, dass das Interesse der Junghennen an der Beschäftigungsanlage über den ganzen Tag hinweg erhalten bleibt und bis zur Legespitze ansteigt. Fachleute raten, zusätzlich zu einer PickPuck-Anlage weitere Beschäftigungsmittel anzubieten.

Kritische Punkte für Kaltscharrräume

Das Angebot eines überdachten Außenklimabereichs (auch Kaltscharrraum oder Wintergarten genannt), der natürliche Lichtverhältnisse bietet, ist in vielerlei Hinsicht positiv zu bewerten. Während seiner Nutzung verringert sich die Besatzdichte im Stall zumindest tagsüber. Außerdem bieten lockere Einstreu oder manipulierbares Material sowie veränderte Lichtverhältnisse den Junghennen viele Reize.

Der Zugang zu einem Außenklimabereich bereitet die Junghennen optimal auf Tageslicht, Klimaschwankungen und verschiedene Geräusche vor.

5. Kritischer Punkt: Wintergarten sicher und ausreichend groß anlegen

Der Außenklimabereich eines Aufzuchtstalls besteht in der Regel aus einer flüssigkeitsundurchlässigen Bodenplatte, einer Überdachung und Außenwänden, die im unteren Bereich befestigt und im oberen Bereich über feste Netze oder Gitter luftdurchlässig sind. Weil die Tiere ihren Wintergarten mit Vorliebe zum Picken, Laufen, Scharren und Staub- oder Sonnenbaden nutzen, muss er ausreichend groß angelegt ein. Die Grundfläche des Außenbereichs sollte sich deshalb stets an der Gruppengröße der Herde orientieren und so bemessen werden, dass alle Junghennen gleichzeitig Zugang zum Wintergarten haben. Zielgröße ist eine Fläche von 400 Quadratzentimetern pro Junghenne.

Damit sich die Tiere an den Zugängen zum Außenbereich nicht erdrücken, müssen zudem genügend Zugangsluken in dem Kaltscharrraum vorhanden sein, die ausreichend groß bemessen sind. Die Bioland-Richtlinien schreiben 2 Meter Zugangsluke je 1000 Tiere vor bei einer Höhe von mindestens 40 Zentimetern.

Merke:

  • Bereits beim Bau des Wintergartens auf eine sichere Abdichtung des Areals achten. Ist die Abgrenzung nicht dicht, besteht die Gefahr des Eindringens von Beutegreifern oder Schadnagern.
  • Die Ausrichtung des Kaltscharrraums so wählen, dass Zugluft und Hereinregnen vermieden werden. Steuerbare Jalousien an den Außenseiten reduzieren Wind, Niederschlag und direkte Sonneneinstrahlung.

6. Kritischer Punkt: Zugang zum Auslauf spätestens ab 10. Lebenswoche

Wann die Luken zum Kaltscharrraum das erste Mal geöffnet werden, liegt im Ermessen des Aufzüchters. Wenn sich seine Junghennen sicher im Stall bewegen und dort alle Strukturen kennen und wenn sie ausreichend dicht befiedert sind, können ihnen die Außenbereiche zugänglich gemacht werden. Öffnet man die Luken zu früh, besteht die Gefahr, dass Tiere dort dauerhaft verweilen, nicht in den Stall zurückfinden und nicht mehr genug Futter und Wasser bekommen. Erhalten die Junghennen den Zugang zum Auslauf zu spät, nehmen sie den Kaltscharrraum womöglich schlecht an. Spätestens ab der zehnten Lebenswoche sollte ein Zugang zum Außenbereich jedoch gewährleistet sein. Die Richtlinien der Bio-Verbände schreiben dies sogar verbindlich vor.

Merke:

  • Täglicher Zugang während der gesamten Hellphase, sobald sich die Junghennen an den Kaltscharrraum gewöhnt haben.
  • Tägliche Kontrolle. Insbesondere in den ersten Tagen ist es wichtig, die Wintergärten regelmäßig zu kontrollieren und in den Abendstunden diejenigen Tiere in den Stall zurückzubringen, die nicht von allein zurückfanden. Licht im Stall und eine späte Fütterung locken die Tiere am Abend in den Stall.
  • Vor dem Öffnen der Auslaufklappen mindestens zwei Fütterungen laufen lassen. Die Tiere sollen sich nicht angewöhnen, zuerst im Außenbereich nach Futter zu suchen.

7. Kritischer Punkt: Zugluft vermeiden

Der Kaltscharrraum ist ein Bereich, der nicht vom Stallklima beeinflusst wird. In ihm herrscht Außenklima, das unter Umständen stark vom erwünschten Klima im Stall abweicht. Zugluft beispielsweise kann den Kaltscharrraum unattraktiv machen und sie kann sich - insbesondere bei nasskaltem Wetter – negativ auf die Gesundheit der Tiere auswirken.

Insbesondere in den Wintermonaten tritt zusätzlich das Problem auf, dass der Innenstall bei geöffneten Zugangsluken stark an Wärme verliert. Ziel muss es sein, Zugluft zu vermeiden und das ideale Klima im Stall zu erhalten.

Merke:

  • Hilfsmittel wie zum Beispiel ein Thermometer im Kaltscharrraum installieren. Es hilft dabei, das Klima besser einzuschätzen. Ein Abgleich der Temperaturen des Stalls und des Kaltscharrraumes sollte regelmäßig vorgenommen werden, um notwendige Gegenmaßnahmen frühzeitig einleiten zu können.
  • Jalousien oder Netze an den Außenseiten anbringen. Sie dienen als Windbrecher und verhindern Zugluft. Außerdem eignen sie sich als Schattenspender und der Einfall von Tageslicht kann mit ihrer Hilfe gesteuert werden.
  • Zugangsluken immer vollständig öffnen. Ein unvollständiges Öffnen der Luken verhindert Zugluft nicht, bewirkt aber, dass sich weniger Tiere nach draußen begeben. Bei Bedarf können Lamellen an den Auslaufluken angebracht werden. Das Passieren solcher Vorhänge müssen die Hennen jedoch erst erlernen. Die Lamellen dürfen daher nicht zu schwer oder zu starr sein, damit sie von den Tieren einfach beiseite gedrückt werden können.
  • Ein Auskühlen des Stalles durch Heizen verhindern. Um ein Auskühlen des Stalls zu vermeiden, kann es notwendig sein, regelmäßig zu heizen.

8. Kritischer Punkt: Junghennen beschäftigen

Karge Kaltscharrräume mit wenig Beschäftigungsmaterial werden von Junghennen weniger genutzt. Wird der Außenbereich dagegen interessant gestaltet, suchen ihn die Tiere gern auf.

Merke:

  • Ausreichendes und attraktives Beschäftigungsmaterial im Kaltscharrraum zur Verfügung stellen. Das steigert die Nutzung dieses Bereichs. Das Material muss stets in ausreichender Menge vorhanden sein und sollte deshalb regelmäßig nachgefüllt werden. Besonders viele Tiere lassen sich in den Außenbereich locken, wenn dort Körner und/oder Magensteine in die Einstreu gegeben werden. In jedem Fall regt das Angebot von Beschäftigungsmaterial die Tiere zum Durcharbeiten der Einstreu an. Experten raten zu ein bis zwei verschiedenen Beschäftigungsmaterialien pro Kaltscharrraum.
  • Saisonales Angebot von Rundtränken. Das Anbieten von Wasser im Außenbereich fördert dessen Attraktivität. Die Rundtränken sollten jedoch nur bei warmem und trockenem Wetter zum Einsatz kommen, da sonst das Risiko von nasser Einstreu steigt. Um dies zusätzlich zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Rundtränken zu beschweren und den Wasserfluss zu begrenzen. Bei niedrigen Temperaturen sollten die Rundtränken abgestellt werden. da die Leitungen einfrieren könnten.

9. Kritischer Punkt: Einstreuen, aber richtig!

Einstreu im Kaltscharrraum bietet Vorteile. Die Tiere werden beschäftigt und zum Scharren und Picken angeregt. Doch die Einstreu im überdachten Auslauf muss gut gemanagt werden. Denn das (sich ändernde) Außenklima kann schnell auch zu feuchter Einstreu führen. Und einfallender Wind verursacht häufig ein Anhäufen der Einstreu im stallnahen Bereich. Erfolgt zusätzlich ein unzureichendes Durcharbeiten durch die Tiere bilden sich schnell Platten oder es sammelt sich das gesamte Material in Stallnähe an und der Kaltscharrraum wird schlechter angenommen.

Merke:

  • Gleich zu Beginn des Auslaufzugangs einstreuen.
  • Einstreu im Kaltscharrraum regelmäßig kontrollieren.
  • Langstroh einsetzen. Das Material wird von den Junghennen gut angenommen und es wird aufgrund seiner Struktur weniger vom Wind verweht als andere Materialien. Allerdings birgt Langstroh in Bezug auf die Hygiene einige Risiken, da es die Feuchtigkeit schlecht reguliert. Zur Verhinderung einer feuchten Einstreu eignen sich Sägespäne besser.
  • Jalousien montieren. Sie vermindern Zugluft und damit das Verwehen der Einstreu.
  • Zusätzliches Beschäftigungsmaterial anbieten. Das lockt mehr Tiere in den überdachten Auslauf. Die Einstreu wird besser verteilt und durchgearbeitet.
  • Das Auftürmen von Stroh oder das Anlegen von Furchen in der Einstreu kann die Tiere zu einer intensiveren Beschäftigung mit dem Material anregen.

Letzte Aktualisierung 21.03.2022

Tierwohl-Kompetenzzentrum Schaf

Beratung & Wissenstransfer

Bekanntmachungen des Bundesprogramms Nutztierhaltung

Zweinutzungshühner im Freiland

Bekanntmachungen

Netzwerk Fokus Tierwohl

Logo des Netzwerks Fokus Tierwohl

Zu den Veranstaltungen

BZL-Broschüren

Zum BLE-Medienservice

Bundesprogramm Nutztierhaltung

Bild: MuD Tierschutz, BLE

Mehr erfahren

Nach oben
Nach oben