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Hühnermast in Deutschland – Ein Überblick

Knapp 80 Prozent des hierzulande erzeugten Geflügelfleischs stammt von Masthühnern. Zwei Drittel davon werden in Niedersachsen gemästet.

Die Geflügelfleischerzeugung in Deutschland hat in den vergangenen 20 Jahren enorm zugenommen. Zwischen 1999 und 2019 ist die Schlachtmenge von 715.000 Tonnen auf knapp 1,6 Millionen Tonnen angestiegen und hat sich damit weit mehr als verdoppelt. Damit ist Deutschland in der EU (EU-28) fünftwichtigster Geflügelfleischerzeuger – hinter Polen, Großbritannien, Spanien und Frankreich.

Geflügelfleisch immer beliebter

Der Konsum von Geflügelfleisch hat in den vergangenen 20 Jahren enorm zugenommen. Belief sich der Pro-Kopf-Verbrauch 1999 noch auf 15,4 Kilogramm, waren es 2019 bereits 23,3. Rund zwei Drittel davon ist Hühnerfleisch.

Mit einem Produktionswert von 2,6 Milliarden Euro (2019) liegt die Geflügelfleischerzeugung noch vor der Eiererzeugung (1,1 Mrd. Euro) und trägt damit gut 4 Prozent zum gesamten landwirtschaftlichen Produktionswert bei.

Die Hühnermast ist der mit Abstand wichtigste Produktionszweig der Geflügelmast. Laut Thünen-Institut stammt rund 78 Prozent der hierzulande erzeugten Geflügelfleischmenge von Masthühnern.

Zwei Drittel aller Hähnchen aus Niedersachsen

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland insgesamt rund 94 Millionen Hühner gemästet. Der Schwerpunkt der Mast liegt in Niedersachsen: Dort leben mit 61 Millionen Tieren knapp zwei Drittel aller deutschen Masthühner. Niedersachsen ist mit mehr als 1.000 Masthähnchenbetrieben zugleich auch das Bundesland mit den meisten Betrieben – gefolgt von Bayern mit 870.

Ein durchschnittlicher Masthähnchen-Bestand zählte 2016 rund 28.000 Tiere. Hier gibt es allerdings starke regionale Unterschiede: Während in Sachsen-Anhalt im Schnitt 143.000 Masthähnchen pro Betrieb gehalten werden, sind es in Rheinland-Pfalz nur 409 (Stand 2016).

Immer mehr Großbetriebe

Wie in allen Bereichen der Landwirtschaft hat auch in der Hühnermast ein starker Strukturwandel stattgefunden. So ging die Anzahl der Betriebe zwischen 1999 und 2016 um rund 72 Prozent zurück. Im gleichen Zeitraum hat sich die Gesamtzahl der Masthühner um rund 90 Prozent vergrößert.

Außerdem gab es erhebliche Veränderungen bei den Bestandsgrößen. Die Zahl der Betriebe mit weniger als 10.000 Masthähnchen hat sich zwischen 1999 und 2016 stark verringert. Zugenommen haben dagegen Betriebe mit mehr als 10.000 Masthähnchenplätzen. Ganz besonders stark haben die großen Betriebe mit mehr als 50.000 Mastplätzen zugelegt: Fast 80 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Masthühner leben in solch großen Betrieben. In Betrieben mit weniger als 10.000 Mastplätzen sind dagegen nur ein Prozent aller Masthühner zu finden.

Viermal schnellere Mast als vor 65 Jahren

Heute werden fast ausschließlich auf hohe Gewichtszunahme und gute Futterverwertung gezüchtete Tiere eingesetzt. Durch intensive Zucht konnte die Wachstumsgeschwindigkeit von Masthühnern in den vergangenen 65 Jahren auf das Vierfache erhöht werden: In den 1950er Jahren wogen Masthühner nach etwa 120 Tagen circa 1,5 Kilogramm. Heutige Masthybriden erreichen dieses Gewicht bereits nach weniger als 30 Tagen.

Hochspezialisiert: Produktionsstufen der Hühnermast

Die meisten Betriebe konzentrieren sich auf nur noch eine der folgenden vier Produktionsstufen:

  1. Basiszucht: Diese liegt heute in der Hand weniger kommerzieller Zuchtunternehmen. Die Basiszuchtbetriebe erzeugen die Elterntierküken und verkaufen diese an die Vermehrungsbetriebe.
  2. Vermehrungsbetrieb: Hier wachsen die Elterntierküken auf. Hähne und Hennen werden kombiniert, sodass befruchtete Eier entstehen, die an die Brütereien verkauft werden.
  3. Brütereien: Die befruchteten Eier der Elterntiere werden hier ausgebrütet. Männliche und weibliche Küken – die späteren Masttiere – werden an die Mastbetriebe geliefert.
  4. Mastbetrieb: Hier werden die Masthähnchen und Mastputen bis zur Mastreife gemästet.

Bodenhaltung in geschlossenen Ställen ist Standard

Die Hühnermast erfolgt überwiegend in Bodenhaltung auf Einstreu. Meist werden die Tiere dafür in geschlossenen Ställen gehalten. Belüftungsanlagen sorgen für frische Luft und Fenster für Tageslicht. Daneben gibt es die Mast in offenen Ställen mit natürlicher Lüftung. Sie ist jedoch weniger verbreitet. In sehr geringem Umfang gibt es auch die Mast in Auslauf- oder Freilandhaltung.

Männliche und weibliche Masthühnchen werden zusammen aufgestallt und verbringen etwa fünf Wochen im Stall, bis sie ihr Mastendgewicht von 1,5 Kilogramm erreicht haben. Hähnchen, die für die Verarbeitung von Teilstücken vorgesehen sind, bleiben rund sieben Wochen im Stall bis zu einem Mastendgewicht von 2,5 Kilogramm.

Laut Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung liegt die maximal zulässige Besatzdichte in der Hähnchenmast bei 35 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter (bei verlängerter Aufzucht 39 Kilogramm). In der Praxis bedeutet dies, dass sich gegen Ende der Mastzeit meist 16 bis 26 Tiere einen Quadratmeter Stallboden teilen.

Alles geregelt – Vorschriften für die Haltung

EU-weit gültige Vorschriften und Gesetze regeln, wie Masthühner zu halten sind. In Deutschland werden diese Regelungen durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) mit dem entsprechenden Abschnitt über das Halten von Masthühnern umgesetzt. Die Verordnung regelt unter anderem, wie Ställe für Masthühner in Deutschland einzurichten sind. Das heißt, wie viel Platz jedes Huhn haben und wie der Boden beschaffen sein muss, wie lange beleuchtet werden darf usw.

Ökologische Geflügelmast

Die ökologische Mastgeflügelhaltung in Deutschland ist nach wie vor eine Nische. Laut Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) erreichte Öko-Geflügelfleisch 2018 mit rund 25.000 Tonnen einen Marktanteil von gerade mal 1,4 Prozent. Bio-Geflügel ist aber zunehmend gefragter: So konnte die Bio-Geflügelfleischproduktion im Vergleich zum Vorjahr um rund 19 Prozent zulegen. Was vor allem an den Öko-Masthähnchen liegt: Deren Anzahl hat zwischen 2017 und 2018 um rund 22 Prozent zugenommen.

Die ökologische Hühnermast ist per Gesetz durch die EU-Öko-Verordnung geregelt. Öko-Mäster müssen weit höhere Anforderungen erfüllen als solche, die nach gesetzlichem Standard produzieren. So haben Öko-Masthühner wesentlich mehr Platz im Stall und haben Auslauf ins Freie. Gefüttert werden sie mit ökologischen Futtermitteln.

Etwa die Hälfte aller Ökobetriebe ist Mitglied eines ökologischen Anbauverbands. Diese haben eigene Richtlinien mit zum Teil noch strengeren Anforderungen.

Mehr Infos zur ökologischen Hähnchenmast unter oekolandbau.de

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