Junghennenaufzucht: Kritische Punkte der TiergesundheitJunghennenaufzucht: Kritische Punkte der Tiergesundheit

Junghennen gesund aufziehen

Eine gute Gesundheit von Junghennen ab ihrem ersten Lebenstag trägt entscheidend zum Gelingen der gesamten Aufzucht und der nachfolgenden Legeperiode bei. Nicht zuletzt deshalb, weil Erkrankungen das Risiko für das Auftreten von Verhaltensstörungen steigern.

Die Gesundheit von Junghennen und ihr Wohlbefinden sind von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Bereits die Elterntiere haben ihren Einfluss darauf. Denn abhängig von ihrer eigenen Immunkompetenz zeugen sie Küken, die mehr oder weniger vital aus dem Ei schlüpfen. In der Brüterei spielen dann auch die Bruteihygiene und der Schlupfprozess an sich eine Rolle. Auch die Art und Weise des Transports zum Aufzuchtbetrieb nimmt Einfluss auf die Kükengesundheit.

Gesunde und uniforme Herden nötig

Später im Stall wirken viele verschiedene Faktoren auf die Gesundheit der Tiere ein; wer gesunde Junghennen aufziehen will, muss jeder Störung ihres Wohlbefindens rasch entgegenwirken. Aufzüchter sollten das Verhalten ihrer Tiere deshalb stets im Auge behalten und sich folgende Fragen stellen: Sind akute Störungen des Allgemeinbefindens zu verzeichnen? Wie hoch ist die Verlustrate? Das KTBL (Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft) hat hierfür Ziele und Alarmwerte entwickelt: Als Zielwert für die wöchentliche Mortalitätsrate nennt es 0,13 Prozent, als Alarmwert 0,25 Prozent.

Spätestens bei Erreichen des Alarmwertes sollten Aufzüchter hellhörig werden und Gegenmaßnahmen einleiten. Denn in einer kranken Herde verzögert sich die Entwicklung der Tiere. Die Herde wächst auseinander und ihre Uniformität lässt zu wünschen übrig. Auch die Gewichtszunahme der Tiere findet sich meist unterhalb der Empfehlungen der Zuchtunternehmen wieder. Das führt später in den Legeherden zum gehäuften Auftreten von Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus.

Vorbeugende Maßnahmen ergreifen

Erkrankungen in der Herde müssen deshalb möglichst vermieden und wirksame vorbeugende Maßnahmen zur Gesunderhaltung eingeleitet werden. Dabei spielen die Biosicherheitsmaßnahmen vor Ort, das Stallklima, die Tränkwasserhygiene sowie die im Junghennenaufzuchtbetrieb verfolgten Impfstrategien eine sehr große Rolle.

1. Biosicherheit und Hygiene im Stall sicherstellen

Die Biosicherheitsmaßnahmen beginnen bereits mit der gründlichen Reinigung und Desinfektion des Aufzuchtstalles nach jedem Durchgang und mit einer regelmäßigen Schadnagerbekämpfung. Futter, Einstreu und andere Materialien (Beschäftigungsmaterial) sollten wildvogelsicher gelagert werden.

Der Personenverkehr auf dem Betrieb – vor allen Dingen zu den Tieren – sollte nach Möglichkeit beschränkt werden. Weil allgemein dafür plädiert wird, dass Legehennenhalter ihre zukünftige Herde häufiger in Augenschein nehmen sollten, ist in diesem Punkt besonders großes Fingerspitzengefühl gefragt: Die allgemeinen Hygieneregeln wie die Installation einer Hygieneschleuse, die Nutzung betriebseigener Schutzkleidung, das Vorhalten von Wasch- und Desinfektionsmöglichkeiten sowie das Führen eines Besucherbuches zur Dokumentation des Besucherverkehrs müssen strikt eingehalten werden.

2. Regelmäßig gründliche Tierkontrollen durchführen

Wie eine Herde gemanagt wird, trägt ganz entscheidend zum Erfolg der Aufzucht bei. Gut beraten ist, wer sich in der Haltung seiner Tiere strikt an deren Wohl orientiert. Wichtige Parameter hierbei sind die Futteraufnahme der Junghennen und ihre Gewichtsentwicklung, die Uniformität der Herde sowie Verhaltensauffälligkeiten.

Einen besonders kritischen Zeitraum stellen die ersten Lebenstage dar. Wichtig ist hier, dass die Tiere sehr schnell an die Futteraufnahme kommen.

Eine weitere kritische Phase beginnt, wenn die Küken Zugang zum Scharrbereich erhalten. Dies sollte so frühzeitig wie möglich erfolgen, damit die Tiere ihre arteigenen Bedürfnisse wie Scharren, Picken und Staubbaden ausleben können. Gewährleistet werden muss jedoch, dass sich die Küken gut im System zurechtfinden.

Darüber hinaus stellen die Phasen des Gefiederwechsels (fünfte, zwölfte und 15. /16. Lebenswoche) stets kritische Punkte in der Junghennenaufzucht dar. In diesen Phasen muss die Herde besonders im Blick behalten werden. Fachleute raten, neben der routinemäßigen Tierbeobachtung zusätzliche gründliche Tierkontrollen durchzuführen und dabei die wesentlichen Haltungsparameter zu überprüfen. Es wird empfohlen, regelmäßig 50 bis 100 Tiere zu wiegen und dabei auch den Gefiederzustand sowie den allgemeinen Zustand und die Entwicklung der Herde zu bewerten.

3. Kluge Impfstrategie umsetzen

Ein weiterer wichtiger Punkt, den es in der Junghennenaufzucht zu beachten gilt, sind die Impfungen. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der Junghennen selbst, sondern auch um die Stärkung der Krankheitsabwehr der ausgewachsenen Legehenne. Darüber hinaus soll – zum Beispiel über die Impfung gegen Salmonellen – die Sicherheit der Lebensmittel gewährleistet werden.

Auch wenn in der Praxis verschiedene Impfstrategien existieren, gibt es doch eine ganze Reihe an Impfungen, die in der Junghennenaufzucht mittlerweile standardmäßig durchgeführt werden: Die ersten Impfungen gegen die Geflügellähme (Mareksche Krankheit) erfolgen bereits bei den Eintagsküken in der Brüterei. Im Verlauf der Aufzucht folgen verschiedene Impfstoffgaben über das Tränkwasser sowie kurz vor der Umstallung eine Nadelimpfung, bei der Totimpfstoffe appliziert werden.

Trotz aller umfangreichen Impfmaßnahmen muss Folgendes im Hinterkopf behalten werden: Eine Herdenimpfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz gegen Erkrankungen. In Einzelfällen – bei sehr hohem Infektionsdruck oder wenn nur ein Teil der Tiere immunisiert wurde – kann es zu Impfdurchbrüchen kommen. Zudem gibt es immer Tiere, die nicht auf die Impfung reagieren und keine Antikörper produzieren. Um sicherzugehen empfiehlt es sich deshalb, Wiederholungsimpfungen (Auffrischungsimpfungen) durchzuführen.

Auch wenn die Impfungen viele gesundheitliche Vorteile mit sich bringen, so bedeuten sie doch einigen Stress für die Tiere und eine besondere Belastung. Einbußen in der Gewichtsentwicklung sind die Folge. Deshalb ist es sehr wichtig, den Impfzeitpunkt richtig zu wählen (nicht während der Umstallung!). Außerdem sollten die Tiere nur so kurz wie möglich festgesetzt und die Applikationsform im Einzelfall überdacht werden (Tränkwasserimpfung statt Nadelimpfung). Bewährt hat es sich, den Junghennen nach der Impfung besonders appetitanregendes Futter zu geben, das mit Vitaminen (Vitamin C, Vitamine des B-Komplexes) und Oregano angereichert wurde. Der Impferfolg sollte über den bestandsbetreuenden Tierarzt und über eine Laboranalyse überprüft werden (Antikörper-Spiegel im Blutserum).

Kokzidiose bekämpfen - Aufnahme von Kot erwünscht

In Junghennenbeständen ist oft auch der Befall mit Kokzidien ein Problem. Diese führen bei den Tieren zu Durchfällen, zu Wachstumsdepressionen und zu vermehrten Tierverlusten. Deshalb ist es üblich, gegen Kokzidien zu impfen (als Sprayimpfung in der Brüterei oder als Tränkwasserimpfung im Bestand).

Wichtig ist, dass die Tiere die Impfoozysten gut aufnehmen und diese dann als so genannte Impfkokzidien über den Kot wieder ausscheiden. Damit soll eine Reinfektion der Tiere mit den Oozysten der Impfkokzidien erreicht werden, denn diese lösen keine klinische Erkrankung aus, führen bei den Jungtieren aber zu einer stabilen Immunität. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Tiere die Möglichkeit haben, Kotbestandteile aufzupicken. In Volierenaufzuchten hat sich hierfür das Auslegen von dickem Kükenpapier auf den Drahtgitterböden bewährt (vor allem in den ersten zwei bis drei Wochen). Es verhindert, dass der Kot durch das Gitter hindurch zu schnell auf das Kotband fällt. Wichtig ist darüber hinaus eine ausreichende Luftfeuchtigkeit, weil die Oozsysten dann leichter aufgenommen werden können.

Vier Praxistipps zur Kokzidienimpfung

  1. Kükenpapier nach ein paar Tagen aus dem hinteren Bereich eines Aufzuchtabteils nach vorn an den Futtertrog legen, so dass das Kükenpapier dort doppelt liegt. So verbleiben bis zum Öffnen des Systems ausreichend große Inseln mit Kükenpapier auf dem Drahtgitterboden.
  2. Frühes Herauslassen in den Scharrbereich des Stalles. Denn dort bleibt der Kot mit den Impfkokzidien auf dem Boden liegen, wird nicht über ein Kotband entfernt und kann von den Tieren gut aufgenommen werden.
  3. Leichte klinische Erkrankungen etwa drei bis vier Wochen nach der Impfung können vorkommen. Das liegt daran, dass einige Tiere keine ausreichende Immunität aufbauen konnten, entweder weil sie zu wenige Impfoozysten aufgenommen haben oder weil der Erregerdruck in der Herde gestiegen ist.
  4. Bewährt hat sich eine Kotprobennahme und -analyse (mikroskopische Untersuchung). Sie liefert wertvolle Hinweise über den Impferfolg. Eine Differenzierung zwischen Impfoozysten und einer Feldinfektion ist allerdings nicht möglich.

Bekämpfungsstrategien gegen Endoparasiten

1. Zielgerichtete Entwurmung

Sehr stressend für Junghennen können Wurminfektionen sein. Sie werden bei Hühnern vor allem von Faden- und Rundwürmern sowie Haar- und Spulwürmern verursacht. Bei Zugang zum Freiland ist auch ein Befall mit Bandwürmern möglich. Abhängig von ihrer Stärke führen Wurminfektionen bei Junghennen zu gesundheitlichen Problemen mit Abmagerung oder Wachstumsdepressionen. Tierverluste sind eher selten. Ein starker Befall kann Darmentzündungen oder einen Darmverschluss zur Folge haben. Beachte: Auch wenn keinerlei klinische Symptome beobachtet werden, kann eine Infektion vorliegen.

Um die Wurminfektionen im Bestand niedrig zu halten, ist eine gute Prophylaxe sehr wichtig, über:

  • eine gründliche Reinigung in der Serviceperiode und
  • eine gute Auslaufhygiene bei ökologischen Betrieben. In ökologischen Junghennenaufzuchten muss durch die Verpflichtung zum Angebot von Freiland mit einem vermehrten Auftreten von Wurminfektionen bereits bei den Junghennen gerechnet werden.

Die Herde und mögliche Krankheitssymptome sollten stets im Auge behalten werden. Dazu zählt auch das tägliche Beurteilen frisch abgesetzter Kothaufen. Bei Verdacht auf eine Verwurmung bringen parasitologische Untersuchungen von Sammelkotproben mehr Klarheit.

2. Rote Vogelmilbe – durch Biosicherheitsmaßnahmen Wiedereinschleppung vermeiden

Weil ein massiver Befall eines Hühnerbestandes mit der Roten Vogelmilbe auch zu massivem Stress bei den Tieren führt, muss der Bekämpfung dieses blutsaugenden Parasiten in jedem Aufzuchtbetrieb große Aufmerksamkeit gewidmet werden. Eine entscheidende Rolle für die Minimierung des Milbenbefalls spielt dabei die Hygiene im Stall. Beliebte Verstecke sollten regelmäßig auf Milbennester kontrolliert und Milbenfallen aufgehängt werden. Letztere lassen sich ganz einfach selber bauen: Ein Gartenschlauch wird mit etwas Pappe bestückt und mit einem Kabelbinder in der Anlage fixiert (nach Möglichkeit dort, wo die Hühner nachts schlafen). Am Tag verstecken sich die Milben in dieser Falle. Das gibt einen guten Überblick über den Milbendruck im Stall.

Als Bekämpfungsmaßnahme eignet sich das Ausbringen von Silikatstaub, der den Chitinpanzer der Milben austrocknet und sie abtötet. Auch Staubbäder, in denen die Hennen ihr Gefieder mit Silikat haltigem Material "einpudern", sind recht wirksam. Darüber hinaus kann ein Arzneimittel (Exzolt®, Wirkstoff: Fluralaner) über das Tränkwasser appliziert werden.

Fazit

Nur eine gesunde Junghenne entwickelt sich zu einer leistungsstarken Legehenne. Deshalb müssen Junghennen unter optimierten Haltungsbedingungen aufgezogen werden. Eine wichtige Rolle für die Gesunderhaltung der Herde spielen Prophylaxemaßnahmen.


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