StallbegrünungStallbegrünung

Ställe von innen begrünen

Innovative Stallbegrünungssysteme sollen zur Verbesserung des Klimas in Schweine- und Geflügelställen beitragen und Emissionen reduzieren.

Weil Nutztiere wie Schweine und Geflügel heute fast ausschließlich in geschlossenen Ställen leben und aufwachsen, überlegen Fachleute seit geraumer Zeit, wie sie eine natürliche Umwelt im Stall nachahmen können. Eine Möglichkeit sehen sie in der Ausstattung der Ställe mit robusten Grünpflanzen. Als natürliches Filtersystem sollen die Pflanzen die Lärmfracht vermindern, Staub und Schadgase reduzieren und die Luftfeuchte optimieren. Die Vermutung ist, dass der Pflanzenfilter zum Wohlbefinden der Tiere beträgt und sie gesünder und leistungsfähiger macht. Darüber hinaus soll die Arbeitsqualität der Menschen, die in diesen Ställen arbeiten, gesteigert werden. Auch Emissionen aus den Ställen sollen vermindert werden.

Kühe im Garten

Den Prototyp eines Stalles mit Innenbegrünung baute der niederländische Bio-Milcherzeuger Chris Bomers aus Groenlo im Jahr 2015. Er legte seinen Stall wie einen großen Wintergarten an. Der so genannte Kuhgarten bietet den Tieren nicht nur doppelt so viel Platz wie ein herkömmlicher Stall, er simuliert durch die dort wachsenden Bäume und Kletterpflanzen, durch offene Stallseiten und durch einen speziellen Kunststoffboden (von Chris Bomers "Wiesenboden" genannt) auch die Gegebenheiten einer Weide.

Die Pflanzen übernehmen dabei gleich mehrere Aufgaben: Sie schützen vor Wind, bieten den Kühen Rückzugsmöglichkeiten und tragen zur Regulierung der Stalltemperatur bei. Auch einige deutsche Milchviehbetriebe setzen bereits auf das Kuhgarten-System. So baute ein Ökobetrieb im Landkreis Soest (Nordrhein-Westfalen) seinen Stall für 80 Milchkühe in einen Kuhgarten um. Ein Stall im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (Sachsen) soll im Frühjahr 2021 bezugsfertig sein.

Das EIP-Projekt "Stallgrün"

Eine Stallbegrünung, wie sie im Kuhgarten praktiziert wird, ist in etwas abgewandelter Form auch in Geflügel- und Schweineställen denkbar. Dazu muss jedoch herausgefunden werden, welche Pflanzen sich gut in das Stallsystem einordnen lassen und wie sie die Bedingungen im Stall (geringerer Lichteinfall, höherer Gehalt an Staub und Umgebungsgasen) tolerieren.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens "Innovative Stallbegrünungssysteme zur Verbesserung von Haltung und Umweltverträglichkeit (Stallgrün)" der Europäischen Innovationspartnerschaft Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-Agri) beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe deshalb mit dem Effekt von Pflanzen-Filter-Systemen in der Ferkelaufzucht und Putenmast. Sie testet die Eignung verschiedener Pflanzenarten auf ihre Stalltauglichkeit. Am Projekt beteiligt sind die Frankenförder Forschungsgesellschaft, die Agrargenossenschaft Ranzig, die Böhmer GALA-Bau GmbH, die GLU - Gesellschaft für Lebensmittel- und Umweltconsulting, das Gut Jäglitz, das Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, die Kraftfahrzeug-Fertigung-Landtechnik GmbH Löwenberg und das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie. Neben den Auswirkungen der Pflanzen auf das Stallklima betrachtet die Gruppe auch den Effekt, den die Stallbegrünung auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Tiere sowie auf die ökonomischen Kennzahlen hat. Sie vergleicht dazu Daten aus Ställen (oder Abteilen) mit und ohne Stallbegrünung. Des Weiteren prüft sie die Wiederverwendbarkeit der Begrünungssysteme beziehungsweise deren sinnvolle Entsorgung.

Schweinestall: Hydrokulturen an den Stallwänden

Für den Test im Schweinestall (Agrargenossenschaft Ranzig, Brandenburg) wurde ein konventioneller Ferkelaufzuchtstall mit elf robusten Pflanzenarten ausgestattet, darunter Bergpalme, Bogenhanf, Efeutute, Grünlilie, Kolbenfaden und Zierpfeffer. Diese Arten waren in Vorversuchen gut mit hohen Ammoniakkonzentrationen zurechtgekommen.

Rein technisch erfolgt die Begrünung über Hydrokulturen, die an den Stallwänden installiert werden. In der Agrargenossenschaft Ranzig wurden dazu zwei mit mehreren Aussparungen versehene Kunststoffröhren an eine der beiden Stalllängsseiten montiert und mit Pflanzen besetzt. Damit der Stall hygienisch rein bleibt, werden die Pflanzen vor ihrem Einbringen mit einer Zitronensäurelösung besprüht. Die Versorgung der Pflanzen geschieht mehrmals am Tag, und zwar über eine Nährlösung aus einem Vorratstank. Die Lösung wird aktiv in die Röhren gepumpt und angestaut. Um dem Lichtbedürfnis der Pflanzen Rechnung zu tragen, müssen diese zusätzlich beleuchtet werden. In Ranzig werden dazu Leuchtstoffröhren verwendet, deren Reflektoren auf die Pflanzen ausgerichtet sind. Damit sich die Tiere von dem zusätzlichen Licht nicht gestört fühlen, wird ein Teil der Buchten abgedeckt.

Die Pflanzen werden vor und nach dem Einbringen in den Stall bonitiert. Betrachtet werden Kriterien wie Pflanzenhöhe, Pflanzendurchmesser, Anzahl der Blätter, Anzahl der Triebe, Anzahl der Ausläufer, Gesamteindruck, Wurzeleindruck, Frischmasse und Trockenmasse. Als Kontrolle dienen Pflanzen, die parallel in einem Versuchsgewächshaus aufgezogen werden.

Putenstall: Pflanzen mit LED-Licht beleuchten

Ähnlich ist die Vorgehensweise im Putenstall (Gut Jäglitz, Roddahn, Brandenburg). Für die Begrünung werden hier allerdings umgebaute Gewächshaustische verwendet, die unter der Stalldecke installiert sind. Auch die Pflanzen im Putenstall werden im Anstauverfahren bewässert. Dies erfolgt allerdings nicht in einer Hydrokultur, weil die im Putenstall eingesetzten Arten (Fensterblatt, Glücksfeder und Schusterpalme) auf handelsüblichem Kultursubstrat herangezogen werden.

Eine zusätzliche Beleuchtung der Pflanzen ist auch im Putenstall nötig. Dabei muss auf Leuchtmittel zurückgegriffen werden, die die physiologischen Besonderheiten der Puten berücksichtigen. Wenig geeignet sind normale Leuchtstoffröhren. Ihr Licht stresst die Vögel, weil seine Frequenz von den Tieren als starkes Flimmern wahrgenommen wird. Passender sind LED-Leuchtmittel mit hohen Lichtfrequenzen.

Pflanzenfiltersysteme gut in den Stall integrierbar

Das Projektteam hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Systeme zur Kultivierung von "Stallpflanzen" leicht ein- und ausbauen lassen. Dies trifft sowohl auf den Schweine- als auch auf den Putenstall zu. Der Austausch der Pflanzen – zum Beispiel nach der Aufzuchtperiode der Ferkel – bedeutet für den Landwirt lediglich einen geringen Mehraufwand. Notwendige Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten werden deshalb nicht behindert.

Die Suche nach geeigneten Pflanzenarten ist mittlerweile abgeschlossen. Für den Schweinestall stellten sich Bogenhanf, Efeutute und Kolbenfaden als geeignet heraus. Im Putenstall erwiesen sich Fensterblatt, Glücksfeder und Schusterpalme als stalltauglich.

Einen positiven Einfluss der Pflanzen auf das Stallklima konnte die Projektgruppe bislang noch nicht sicher nachweisen. Besonders im Sommer, wenn extreme Temperaturen herrschten und die Lüftungsrate am höchsten war, ermittelte sie nur geringfügige Unterschiede zwischen den Ställen mit und ohne Stallgrün. Auch exakte Werte für die Luftwechselrate ließen sich schwer bestimmen. Doch ohne diese Daten lassen sich die Messwerte nicht zuverlässig interpretieren beziehungsweise vergleichen. Um weitere Untersuchungen durchführen zu können, wurden deshalb neue Messventilatoren in das Abluftsystem der Anlagen eingebaut.

Hinsichtlich der Tiergesundheit ließen bisher sich noch keine Unterschiede zwischen den Stallgrün-Gruppen und den Kontrollgruppen feststellen und weitere Auswertungen stehen noch aus. Doch es kann festgestellt werden, dass sowohl Schweine als auch Puten gut mit den Pflanzen (und der damit verbundenen Beleuchtung) zurechtkommen und sich von Anfang an gleichmäßig im Stall verteilen. Bei den Schweinen wurde in sechs von acht Versuchen eine leicht erhöhte durchschnittliche Tageszunahme ermittelt.

Letzte Aktualisierung 08.02.2021

Zukunftsfähige Stall- und Haltungssysteme: Sauen & Ferkel

Zukunftsfähige Haltungssysteme müssen der gesellschaftlichen Forderung nach "mehr Tierwohl" gerecht werden. Gleichzeitig müssen sie umweltgerecht, klimaschonend und wettbewerbsfähig sein.

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