Lösungen und Grenzen aus Sicht der Tierzuchtwissenschaft

Lösungen und Grenzen aus Sicht der Tierzuchtwissenschaft

In ihrem Fachartikel "Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Tierzucht“, veröffentlicht in der Zeitschrift Züchtungskunde, beschreiben Tierzuchtwissenschaftler die Kritik der Gesellschaft an der heutigen Tierzüchtung und Tierhaltung und zeigen Möglichkeiten und Grenzen der Konfliktlösung auf.

Das Autorenteam geht davon aus, dass künftig die landwirtschaftliche Tierhaltung und damit auch die Zucht von Nutztieren so ausgerichtet sein muss, dass die Effizienz der Umwandlung von Biomasse in hochwertige Lebensmittel weiter gesteigert wird.

Außerdem müssen negative Folgen für die Umwelt und das Klima reduziert und die Nahrungsmittelkonkurrenz zwischen Tieren und Menschen minimiert werden. Weiterhin müssen die genetische Diversität bei den Tieren erhalten und das Tierwohl deutlich verbessert werden. Gleichzeitig sollen die Tierhaltenden gesellschaftliche Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren.

Zu alldem kann die Tierzüchtung ihren Beitrag leisten. Die Wissenschaflter sehen aber auch Grenzen und Zielkonflikte.

Notwendige und mögliche Veränderungen in der Tierzucht beim Rind

  • Fitness- und Gesundheitsmerkmale müssen im Zuchtwert noch stärker berücksichtigt werden.
  • Auch bei Anpaarungen sollte mehr Wert auf Fitness- und Gesundheitsmerkmale gesetzt werden.
  • Zucht und Nutzung von Rassen mit extremer Merkmalsausprägung und gesundheitlichen Beeinträchtigungen darf nicht erfolgen.
  • Gebrauchskreuzungen mit Fleischrindern oder Spermiensortierung mindern das Vermarktungsproblem männlicher Kälber von Milchrassen.
  • Mittelfristig ist eine länger andauernde Milchleistung mit verlängerten Kalbeintervallen anzustreben.
  • Erbfehler können reduziert werden, in dem sie aufgedeckt und transparent gemacht werden.
  • Die Nutzung und Zucht regionaler Rassen sollte gefördert werden.

Notwendige und mögliche Veränderungen in der Tierzucht beim Schwein

  • Robustheit und Anpassungsfähigkeit nehmen für die gesellschaftlich und politisch gewollte Extensivierung der Haltungs- und Fütterungsbedingungen an Bedeutung zu.
  • Sauen sollten nicht mehr lebend geborene Ferkel haben als Zitzen.
  • die Zucht auf Geschmackseigenschaften, wie intramuskuläres Fett, gewinnt an Bedeutung.
  • Durch die Erhebung von tierärztlichen Krankheitsdaten und Schlachthofbefunden kann die Widerstandsfähigkeit der Schweine gegenüber Krankheitserregern gesteigert werden, wenn die Informationen für die Zucht genutzt werden. 
  • Verhaltensmerkmale sollten stärker in die Zucht einfliessen. Das fördert das Tierwohl und den Arbeitsschutz (z. B. Zucht auf Mütterlichkeit, züchterische Bearbeitung von komplexen Verhaltensweisen wie Schwanz- oder Ohrenbeißen)
  • Die Zucht gegen Ebergeruch sollte weiter gefolgt werden.
  • Regionale Rassen sind im gesellschaftlichen Interesse weiter zu nutzen, züchten und zu fördern.

Notwendige und mögliche Veränderungen in der Tierzucht beim Geflügel

  • Die Auzucht von Bruderhähnen und Zweinutzungshähnen verlangt einen vergleichsweise hohen Einsatz natürlicher Ressourcen. Gleichzeitig ist das Fleisch derzeit noch schwer zu vermarkten. Empfohlen wird deswegen eine Weiterentwicklung der frühen Geschlechtsbestimmung im Ei.
  • Langsamer wachsende Mastlinien sind aus Tierschutzgründen zu befürworten, führen aber zu einer überproportionalen Zunahme der Anzahl an Masttieren, Stall- und Schlachtkapazitäten und benötigen zudem einen deutlich höheren Verbrauch natürlicher Ressourcen wie Futter, Wasser und Futteranbaufläche. Gleichzeitig kommt es damit zu höheren Umweltbelastungen durch mehr Stickstoffausscheidungen.
  • Bei der vermehrten Verwendung von heimischen Proteinquellen und Nebenprodukten aus der Lebensmittelherstellung benötigen die Masthühnchen Pufferkapazitäten zur Abfederung suboptimaler Rationen.

Fazit

Bestehende Konflikte zwischen der Nutztierhaltung und der Gesellschaft müssen gelöst werden, um die landwirtschaftliche Nutztierhaltung in Deutschland zu sichern. Zukünftige Generationen von Landwirtinnen und Landwirten sollten die notwendige gesellschaftliche Rückendeckung und Wertschätzung haben, weiterhin Nutztiere zu halten und zu züchten.

Allerdings werde die Umsetzung der Maßnahmen erhebliche ökonomische Konsequenzen für die Landwirtschaft und die Zuchtorganisationen haben, so die Tierzuchtwissenschaftler. Dies müsse beim Umbau der Tierhaltung berücksichtigt werden, damit es nicht zu einer Abwanderung ins Ausland komme.

Für das Gelingen einer gesellschaftlich akzeptierten Tierzucht würden nationale bäuerliche Organisationen benötigt, die eine Tierzucht für deutsche Verhältnisse und Wertvorstellungen betrieben. Die Forderung der Tierzuchtwissenschaftler lautet daher: "Wenn wir diesen Weg gehen wollen, müssen die Folgen von Politik und Gesellschaft ausgeglichen werden!“

 

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