Hühnchenfleisch selbst vermarktenHühnchenfleisch selbst vermarkten

Hühnchenfleisch selbst vermarkten

Der Einstieg in die Direktvermarktung will gut geplant sein. Doch er bietet insbesondere bäuerlichen Betrieben mit kleineren Geflügelherden attraktive Möglichkeiten, den Verbrauchern ihr Produkt nahezubringen - und zu einem guten Preis zu verkaufen.

Regional erzeugte Produkte direkt beim Landwirt einzukaufen, das wird allgemein immer beliebter. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher besuchen gern einen Bauernhof, weil sie wissen wollen, wie die Tiere gelebt haben, deren Fleisch sie essen. Und sie möchten die Menschen hinter dem Produkt kennenlernen. Nicht zuletzt schätzen Konsumenten die kurzen Wege vom Stall in den Verkaufsraum: Wer sein Fleisch direkt beim Bauern kauft, kann hinter dem Haus unter Umständen noch die Gefährten des geschlachteten Tieres beobachten.

Es ist deshalb gut nachzuvollziehen, wenn bäuerliche Geflügelmäster mit dem Gedanken spielen, ihr hofeigenes Fleisch selbst zu vermarkten. Insbesondere diejenigen Landwirte, die ihre Tiere in kleinen Herdengrößen im Mobilstall mästen, sehen in der Direktvermarktung von Geflügelfleisch großes Potenzial, sich neue Absatzwege für ihren Betrieb zu erschließen.

Faktoren für eine erfolgreiche Direktvermarktung

Der Erfolg der Direktvermarktung von Hähnchenfleisch ruht im Prinzip auf drei Säulen:

1. Alleinstellungsmerkmal

Wer eigenes Schlachtgeflügel vermarkten möchte, sollte sich vom Standard abheben und etwas Besonderes anbieten. Dies ist zum Beispiel mit frischen Premiumhähnchen einer langsam wachsenden Rasse möglich. Auch wer sein eigenes Getreide verfüttert oder besondere Futtermittel einsetzt (zum Beispiel Leguminosen), kann dies als Alleinstellungsmerkmal bewerben.

2. Geeignete Schlachtmöglichkeit

Die EU-Lebensmittelhygiene-Verordnung gestattet es Direktvermarktern, bis zu 10.000 Stück eigenerzeugtes Geflügel zu schlachten und regional zu vermarkten, wenn sie ihre Geflügelschlachtstätte registrieren lassen, bestimmte Hygienebestimmungen einhalten und über einen entsprechenden Sachkundenachweis verfügen. Doch die Kosten für eigene Schlacht- und Zerlegeräume können von mittleren bis kleinen Betrieben kaum gestemmt werden. Und Lohnschlachtereien mit EU-Zulassung liegen oft zu weit entfernt.

Wo Schlachthäuser fehlen, kann eine mobile Schlachtanlage helfen. Sie erspart weite Transportwege und ermöglicht kleineren Betrieben, regionales Geflügelfleisch aus tiergerechter Haltung direkt ab Hof an Endverbraucher abzugeben. Seit Ende des Jahres 2018 gilt das mobile Schlachten nicht mehr als Lohnschlachtung. Das vereinfacht die Schlachtung vor Ort und gestattet es Geflügelhaltern, eine mobile Schlachtanlage zu mieten und eine externe Person - mit entsprechendem Sachkundenachweis - mit der Schlachtung zu beauftragen.

3. Direkter Kontakt zum Verbraucher

Tatsächlich bietet die Direktvermarktung viele Chancen, Produktionsprozesse bei der Mast von Geflügel transparenter zu machen. Wer seinen Käufern vis a vis gegenübersteht, kann authentisch schildern, wie viel Arbeit nötig ist, um Hähnchen tierartgerecht zu halten und zu versorgen. Eventuell kann er der Kundschaft vor Ort sogar zeigen, wie die Ställe ausgestattet sind, wie die Tiere darin leben und wie sie vor Wind und Wetter und Fressfeinden geschützt werden. Auch die speziellen Merkmale des Betriebes, wie eine besonders lange Mast, die Eigenschaften der Rasse (zum Beispiel langsam wachsend) oder die spezielle Haltungsform (zum Beispiel Mobilstall) lassen sich leichter herausstellen.

Kontaktfreudig sollten Direktvermarkter in jedem Fall sein. Und sie sollten ehrlich hinter ihrem Produkt stehen. Anderenfalls spürt dies der Kunde sofort und die Glaubwürdigkeit des Betriebes leidet darunter.

Strenge Hygienevorschriften

Hähnchenfleisch ist ein sehr sensibles Produkt. Deshalb unterliegen sowohl die Schlachtung und Verarbeitung der Tiere als auch die Lagerung, der Transport und der Verkauf der Produkte besonders strengen lebensrechtlichen Regelungen, deren Einhaltung durch betriebseigene Kontrollen regelmäßig überprüft und dokumentiert werden muss. Drei große Bereiche werden unterschieden:

  1. Betriebshygiene (Trennung von Schwarz-Weiß-Bereich oder von Wareneingang und -ausgang),
  2. Prozesshygiene (ganz wichtig: Einhaltung der Kühlkette),
  3. Personalhygiene. Einen guten Überblick über wichtigsten Regeln für selbst vermarktende Betriebe bietet die Hygieneleitlinie für Direktvermarkter (PDF), die der Deutsche Bauernverband herausgegeben hat. Auch andere Organisationen informieren über diese Thematik.

Weil die lebensmittelrechtlichen Vorschriften für die Vermarktung von Geflügelfleisch sehr umfangreich sind, ist es ratsam, sich von Experten – zum Beispiel der Landwirtschaftskammern – unterstützen zu lassen. Die Fachleute geben Auskunft und Hilfestellung

  • zu rechtlichen Fragen der Direktvermarktung,
  • zu Grundlagen der Hygiene bei Produktion, Verarbeitung und Verkauf,
  • zur Ausstattung von Produktions- und Verkaufsräumen,
  • zur Wirtschaftlichkeit der Vermarktung sowie
  • zu Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Darüber hinaus fördern sie den Erfahrungsaustausch zwischen den Betrieben.

Den richtigen Absatzweg finden

Was maßgeblich zum Erfolg der Direktvermarktung von hofeigenem Geflügelfleisch beiträgt, ist der richtige Verkaufsweg. Er muss zum Betrieb passen: Für den einen bietet der Verkauf über einen eigenen Hofladen ideale Vermarktungsmöglichkeiten, für einen anderen ist der Verkaufswagen auf dem Bauermarkt ideal. Manch einer ist vielleicht sogar in der Lage, seine Produkte online zu handeln.

Jeder Betriebsleiter muss selbst wissen und entscheiden, wie viel Zeit er in die Vermarktung investieren will und welche fachlichen Ressourcen er nutzen kann – oder ob er sie (teuer) einkaufen muss. Häufig wird unterschätzt, wie arbeitsintensiv die Selbstvermarktung von Geflügelfleisch ist. Deshalb ist jeder gut beraten, der sich vorher Gedanken über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verkaufswege macht – und wohlüberlegt entscheidet.

Das Internet nutzen

Das Produkt kann noch so besonders und der Hofladen noch so schön eingerichtet sein – wenn der Kunde nicht davon weiß, wird er nicht kommen. Für das hofeigene Marketing ist ein Internetauftritt (eigene Homepage) heutzutage unabdingbar. Er vermittelt vielen potenziellen Kunden (wenn nicht sogar den meisten) einen ersten Eindruck vom Hof. Der Internetauftritt bietet viele Vorteile. Über ihn können zum Beispiel wichtige Informationen wie Öffnungszeiten, Anfahrt oder Produktangebot transportiert werden. Empfehlenswert ist es, sich auf sogenannten Onlineportalen und Marktplätzen listen zu lassen. Der Basiseintrag ist in der Regel kostenlos. Es gibt deutschlandweite oder regionale Anbieter, die einen Eintrag ermöglichen.

Hofläden im Internet

Als Ergänzung zur eigenen Homepage sollte ein Business Account in den sozialen Netzwerken ins Auge gefasst werden (zum Beispiel in Facebook oder Instagram). Dieser bietet die Möglichkeit, Informationen, Bilder oder Neuigkeiten zu verbreiten ohne dass Kosten entstehen. Darüber hinaus kann man über die sozialen Medien direkt mit dem Kunden in Kontakt treten.

Fazit

Für bäuerliche Geflügelhaltende mit kleineren Herdengrößen bietet die Direktvermarktung viele Chancen, neue Absatzwege für den eigenen Betrieb zu erschließen. Der (potenzielle) Erfolg dieser Vermarktungsschiene fußt im Prinzip auf drei Säulen:

  1. der Einzigartigkeit der Betriebes (Alleinstellungsmerkmal),
  2. dem Vorhandensein einer geeigneten Schlachtmöglichkeit und
  3. dem direkten Kontakt zum Verbraucher.

Welcher Absatzweg im konkreten Fall eingeschlagen werden sollte und welche Marketingmaßnahmen ergriffen werden müssen, hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab. Notwendig ist es zu wissen, welche rechtlichen Rahmenbedingungen für die Selbstvermarktung von Geflügelfleisch gelten und welche Behörden eingebunden werden müssen. Der hohe mediale Stellenwert und das breite Angebot an sozialen Netzwerken unterstreichen, wie wichtig es ist, dass sich direktvermarktende Betriebe online präsentieren.

Letzte Aktualisierung 12.10.2021

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