Wir verwenden Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Es werden für den Betrieb der Seite nur notwendige Cookies gesetzt. Details in unserer Datenschutzerklärung.

Die Gesellschaft fordert einen besseren Umgang mit den Tieren und bessere Haltungssysteme – doch die kosten. Bild: Pixabay Paul Anderson
Die Rahmenbedingungen stellen hohe Anforderungen an die deutschen Ferkelerzeugungs- und Ferkelaufzuchtbetriebe.
Enormer Kostendruck und Auflagen in Bezug auf Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz erfordern eine ständige Anpassung der Erzeugungs- und Vermarktungsstrukturen. Wollen Sie diesen Forderungen nachkommen, müssen sie an ihren Haltungssystemen und Ställen entsprechende Veränderungen vornehmen.
Wie solche Stall- und Haltungssysteme für eine zukunftsfähige Sauenhaltung und Ferkelaufzucht aussehen könnten, damit haben sich Fachleute der Landesanstalten, Landesämter und Landwirtschaftskammern sowie Spezialberater des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL) und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft e. V. (DLG) befasst. In einer über 230-seitigen Broschüre haben sie ihr Fachwissen für Praktikerinnen und Praktiker aufbereitet.

Zukunftsfähige nachhaltige Haltungssysteme für die Sauenhaltung und Ferkelaufzucht müssen der gesellschaftlichen Forderung nach mehr Tierwohl gerecht werden. Gleichzeitig müssen sie umweltgerecht, klimaschonend und wettbewerbsfähig sein.
Die 236-seitige BZL-Broschüre richtet sich an die landwirtschaftliche Praxis, erarbeitet wurde sie von Fachleuten der Landesanstalten, Landesämter und Landwirtschaftskammern aus ganz Deutschland. Sie kann über den BLE-Medienservice bestellt oder heruntergeladen werden.
Gesamtbetriebliches Haltungssystem Schwein - Sauen und Ferkel
Ein zukunftsfähiges Stall- und Haltungssystem, so sind sich die Fachleute einig, soll den Tieren mehr Platz bieten und ein stärkeres Ausleben arttypischer Verhaltensweisen ermöglichen. Dies wird zum Beispiel dadurch erreicht, dass Decksauen in Gruppen gehalten und die Säugezeit verlängert wird.
Sehr wichtig sind zudem strukturierte Buchten mit eingestreutem Liegebereich. Sie trennen die Funktionsbereiche Ruhen, Fressen und Ausscheiden. Große Bedeutung hat auch der Einsatz von verzehrbarem organischem Material: Es beschäftigt die Schweine und ist gut für deren Verdauung und Gesundheit. Eine zusätzliche Steigerung des Tierwohls lässt sich schließlich über einen Zugang zu Außenklimabereichen oder einen Auslauf im Freien erreichen.
Die vielen baulichen und technischen Veränderungen, die für eine tiergerechtere Haltung nötig sind, lassen sich nur zum Teil durch Umbaumaßnahmen in bestehenden Ställen bewerkstelligen. Will man die neuen Stall- und Haltungskonzepte kompromisslos umsetzen, ist nach Meinung der Expertinnen und Experten ein Neubau unumgänglich.
Denn die Buchten müssen strukturiert und mit entsprechender Technik für Wasser und Fütterung versehen werden. Für die Einbringung und Dosierung von Beschäftigungsmaterial und Einstreu braucht es ebenfalls neue Technik. Außerdem sind neue Entmistungssysteme erforderlich. Denn das vermehrte Angebot von organischem Material zur Einstreu und Beschäftigung führt schnell zu Problemen bei den herkömmlichen Güllesystemen.
Diese baulichen und technischen Veränderungen sowie der zusätzliche Platzbedarf verursachen zum Teil erhebliche Mehrkosten. Kalkulatorisch ins Gewicht fällt vor allem auch der zusätzliche Arbeitszeitbedarf, der durch die neuen Haltungssysteme entsteht.
Ein höheres Platzangebot gegebenenfalls mit zusätzlicher Auslauffläche, planbefestigte Böden, zusätzliches Beschäftigungsfutter, regelmäßige Einstreu und das Angebot offener Tränken bedeuten für die Betriebe mehr Arbeit.
Verglichen mit den bislang üblichen Haltungssystemen kann sich die Arbeitszeit verdoppeln.
Um einen Überblick zu erhalten, mit wie viel Mehrkosten Sauenhaltungs- und Ferkelaufzuchtbetriebe rechnen müssen, hat die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen umfassende Berechnungen angestellt. In die Kalkulation eingeflossen sind dabei die Kosten für einen Neubau sowie den laufenden Unterhalt. Bei den Baukosten je Quadratmeter wurden drei mögliche Szenarien durchgespielt: gleiche Baukosten wie bisher, um 10 und um 25 Prozent erhöhte Baukosten. Auch Haltungskonzepte mit Auslauf wurden bei der Kalkulation berücksichtigt. Ausgegangen wurde außerdem von einem erhöhten Platzangebot
Bei der Ferkelerzeugung gehen die Fachleute davon aus, dass sich die Baukosten je Quadratmeter durch die benötigte zusätzliche Technik verteuern werden. Je nachdem welche Tierwohlmaßnahmen umgesetzt werden, ist dabei mindestens mit 10, wahrscheinlicher aber mit 25 Prozent höheren Baupreisen zu rechnen. Kalkuliert man eine Baupreiserhöhung von 10 Prozent ein, entstehen Mehrkosten in Höhe von 296,09 Euro je Sau und Jahr bzw. 10,21 pro Ferkel. Liegen die Baupreise dagegen um 25 Prozent höher, ergeben sich 346,11 Euro mehr pro Sau und Jahr bzw. 11,93 pro Ferkel. Für einen Stall mit Auslauf ins Freie muss man sogar 543,86 Euro je Sau und Jahr bzw. 18,75 je Ferkel drauf zahlen.
In der Ferkelaufzucht variieren die Kosten je Ferkel vor allem durch die notwendige Fläche je Tier. Dies kann durch einen erhöhten Anteil an Gängen, aber auch durch Auslaufflächen bedingt sein. Verglichen mit dem Standardstall kostet der Tierwohlstall – gleiche Baupreise vorausgesetzt – 5,31 Euro mehr pro Ferkel. Nimmt man eine Baupreissteigerung von 10 Prozent an, ergeben sich Mehrkosten in Höhe von 5,92 Euro. Bei 25 Prozent Baupreissteigerung müssen schon 6,82 Euro drauf gezahlt werden und mit Auslauf ins Freie sind sogar 9,91 Euro fällig.
Geht man davon aus, dass sich die Kosten für ein tiergerechtes Stall- und Haltungskonzept in der Schweinemast um 15 bis 40 Euro erhöhen, ergeben sich insgesamt – das heißt von der Ferkelerzeugung über die Ferkelaufzucht bis hin zur Mast – Mehrkosten je Schwein von 30 bis maximal 70 Euro – je nachdem welcher Baupreis zugrunde gelegt wurde und ob es sich um einen Stall mit oder ohne Auslauf handelt.
| Mehrkosten für ein tiergerechtes Stall- und Haltungskonzept für Sauen und Ferkel, Stand 2021 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Einheit | Baupreise gleich | Baupreis + 10 % | Baupreis + 25 % | mit Auslauf | |
| Mehrkosten Haltungskonzept Ferkelerzeugung | |||||
| pro Sauenplatz | €/Sau | 262,75 | 296,09 | 346,11 | 543,86 |
| pro Ferkel | €/Ferkel | 9,06 | 10,21 | 11,93 | 18,75 |
| Mehrkosten Haltungskonzept Ferkelaufzucht | |||||
| pro Aufzuchtplatz | €/AZP | 31,87 | 35,50 | 40,94 | 59,44 |
| pro Ferkel | €/Ferkel | 5,31 | 5,92 | 6,82 | 9,91 |
| Mehrkosten Haltungskonzept Schweinemast | |||||
| pro Mastplatz | €/MP | 40,16 | 46,96 | 65,66 | 107,10 |
| pro Mastschwein | €/MS | 14,87 | 17,39 | 24,32 | 39,67 |
| pro kg Schlachtgewicht (bei 96 kg SG/Tier) | €/kg SG | 0,15 | 0,18 | 0,25 | 0,41 |
| Mehrkosten Haltungskonzept Gesamt – von der Ferkelerzeugung bis zur Mast | |||||
| Mehrkosten | €/Tier | 29,25 | 33,52 | 43,08 | 68,33 |
| Mehrkosten Haltungskonzept Gesamt – bezogen auf ein Schlachtschwein mit 96 kg SG | |||||
| Mehrkosten | €/kg SG | 0,30 | 0,35 | 0,45 | 0,71 |
| Quelle: Gesamtbetriebliches Haltungskonzept Schwein – Sauen und Ferkel, BZL, 2021 | |||||
Grundsätzlich sind die in der BZL-Broschüre vorgestellten Stall- und Haltungskonzepte darauf ausgelegt, Schweine mit unversehrten Schwänzen zu halten. Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die Erfahrungen mit unkupierten Schweine haben, berichten, dass für Tierbeobachtung, Selektion und Steuerung von Gegenmaßnahmen die doppelte bis dreifache Arbeitszeit eingerechnet werden muss. Summiert man diese zusätzlichen Arbeitszeitkosten für die gesamte Kette von der Ferkelerzeugung bis zur Schweinemast, kommen noch einmal Mehrkosten von rund 70 Euro je fertig gemästetes Schwein hinzu.
Letzte Aktualisierung 12.09.2026