Tierwohlgerechte Fütterung von SchafenTierwohlgerechte Fütterung von Schafen

Tierwohlgerechte Fütterung von Schafen

Schafe jeden Tag so zu versorgen, dass sie sich wohl fühlen, ist gute Schäferpraxis. Schafhalterinnen und -halter benötigen dafür nicht nur gute Kenntnisse zur Haltung und Betreuung der Tiere, sondern auch umfangreiches Wissen in Fütterungsfragen.

Schafe tierartgerecht zu füttern, bedeutet in erster Linie, sie wiederkäuergerecht zu ernähren. Damit der Pansen gut arbeiten kann, benötigen die Tiere viel rohfaserreiches Futter guter Qualität (Heu, Silage). Eine Futterration für Mutterschafe sollte zwischen 18 und 25 Prozent Rohfaser enthalten. Und auch Lämmer benötigen frühzeitig – etwa ab der zweiten Lebenswoche – rohfaserhaltiges Beifutter, damit sich ihr Magen-Darm-Trakt gut entwickeln kann.

Eine nicht wiederkäuergerechte Ernährung bringt bei Schafen schnell das Gleichgewicht der Pansenbakterien durcheinander. Die Folge sind Verdauungsstörungen wie die Pansentympanie (unphysiologisch hohe Gasansammlung im Pansen), die Pansenazidose (Übersäuerung des Pansens) oder die Pansenalkalose (Stoffwechselstörung, bei welcher der pH-Wert des Pansens ins alkalische Milieu abdriftet). Wichtig ist es, Futterumstellungen langsam vorzunehmen, damit sich die Pansenflora entsprechend anpassen kann (ein bis zwei Wochen).

Futterrationen individuell planen

Allein mit Raufutter kann der Nährstoffbedarf von Schafen jedoch meist nicht vollständig abgedeckt werden. Die Tiere benötigen eine auf ihr Körpergewicht und auf ihre jeweilige Leistung abgestimmte Futterration; tragende Mutterschafe haben einen anderen Energie- und Proteinbedarf als Mastlämmer oder Milchschafe mit hoher Milchleistung. Beim Zusammenstellen der Futterration müssen außerdem die unterschiedlichen betrieblichen Gegebenheiten bezüglich der Futtergrundlage berücksichtigt werden. Die Planung von Schafrationen ist also eine sehr individuelle Angelegenheit. Ein Verhältnis von 60 Prozent Grundfutter und (maximal) 40 Prozent Kraftfutter stellt jedoch einen guten Richtwert für eine wiederkäuergerechte Ration dar. Verschiedene Tabellenwerke sowie Programme zum Errechnen von Futterrationen für Schafe bieten wertvolle Hilfestellung für das Erstellen bedarfsgerechter Mischungen.

Erfahrungen aus den Projektbetrieben MuD Tierschutz

Um Unregelmäßigkeiten beim Gesundheits- und Fütterungszustand schnell zu bemerken, hat es sich bewährt, Schafe während der betrieblichen Routinearbeiten regelmäßig genauer in Augenschein zu nehmen. Hierbei helfen mobile Fang- und Behandlungsanlagen. Mit dieser Technik lassen sich die Tiere schnell und sicher fixieren. Außerdem kann meist auch eine Waage angeschlossen werden. Diese erlaubt den genauen Überblick über die Gewichtsentwicklung der Tiere und über ihre Körperkondition und sie unterstützt den Schäfer bei der Ermittlung des Futterbedarfs seiner Schafe.

Fütterungsbedingte Erkrankungen lassen sich vermeiden

Wenn es um tierwohlkonformes Füttern geht, spielt nicht nur die bedarfsgerechte Versorgung mit Energie und Rohnährstoffen eine Rolle. Viele weitere Stoffe übernehmen lebenswichtige Funktionen. Dazu zählen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Eine Über- oder Unterversorgung mit diesen Stoffen äußert sich in einer allgemein schlechteren Gesundheit und Fruchtbarkeit, in einer verminderten Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten sowie in einer geringeren Leistungsfähigkeit (Milch- und Fleischleistung). Fehlversorgungen können sogar zu massiven Verlusten führen. Drei Beispiele sollen dies verdeutlichen:

1. Mangel an Vitamin E oder Selen

Sowohl Vitamin E als auch Selen sind Bausteine eines wichtigen Enzymsystems im Körper von Schafen. Fehlt das Enzym, kommt es zu Muskelschäden und zur Schwächung des Immunsystems. Die Symptome eines Mangels sind vielfältig. Sie äußern sich in schlechten Zunahmen, in Bewegungsstörungen (bis hin zum Festliegen der Tiere) oder in der Anfälligkeit gegenüber Wurmbefall und anderen Erkrankungen. Bei Mutterschafen wird häufig ein Verhalten der Nachgeburt beobachtet.

2. Mangel an Vitamin B1

Vitamin B1 (Thiamin) spielt als Koenzym im Zellstoffwechsel eine wichtige Rolle. Es wird durch die Pansenbakterien der Schafe synthetisiert. Ein Mangel an Vitamin B1 kann durch falsche Fütterung provoziert werden (chronische Übersäuerung durch kraftfutterreiche Ration über einen langen Zeitraum hinweg, Fütterung von Brot, wenig Raufutter, verpilztes Futter). Typisch für einen Vitamin B1-Mangel ist die so genannte Sternguckerkrankheit (Hirnrindennekrose, Corticocerebralnekrose). Die Tiere liegen mit Muskelzittern und Krämpfen auf der Seite. Dabei ist ihr Kopf extrem nach hinten/oben überstreckt.

3. Fehlversorgung mit Kupfer

Auch Kupfer hat als essenzieller Bestandteil zahlreicher Enzyme großen Einfluss auf wichtige Körperfunktionen (Zellatmung, Blutbildung, Bindegewebs- und Nervenstoffwechsel). Die ausbalancierte Versorgung mit Kupfer ist bei Schafen jedoch eine Gratwanderung. Sowohl ein Mangel als auch eine Überversorgung können schwerwiegende Folgen haben. Ein Kupfermangel hat lebensschwache Lämmer zur Folge. Ältere Tiere sehen schlecht genährt aus, ihr Vlies ist stumpf und sie sind anfällig für Infekte. Zu viel Kupfer in der Ration führt schnell zu Vergiftungserscheinungen. Futterrationen sollten im optimalen Fall zwischen 12 bis 15 Milligramm Kupfer pro Kilogramm Trockensubstanz der Gesamtration enthalten.

Bereits die Aufzählung dieser wenigen Punkte zeigt, wie wichtig es ist, Schafe bedarfsgerecht zu versorgen und ihnen nur Futter von guter Qualität anzubieten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass es bei den Tieren zu Mangelerscheinungen und Verdauungsstörungen kommt oder sich im Futter Pilze, Bakterien oder Viren vermehren, die das Wohl der Tiere beeinträchtigen, sie krankmachen oder gar zum Tode führen.

Checkliste: Fütterungsmaßnahmen für mehr Tierwohl

1. Oberstes Gebot: gute Futterhygiene

Sauberes und unverdorbenes Futter verabreichen, Raufen und Tröge sorgfältig reinigen. Wichtig: Futterreste nicht in die Einstreu entsorgen.

Erfahrungen aus den Projektbetrieben MuD Tierschutz

Um eine gute Futterqualität sicherzustellen, lohnt sich die Investition in überdachte, mobile Heuraufen, die leicht zu versetzen sind. Die Raufen haben gleich mehrere Vorteile: Sie ermöglichen das Zufüttern von Raufutter auf der Weide, wodurch abrupte Futterwechsel vermieden und fütterungsbedingte Durchfälle verhindert werden. Auch Futterverluste durch Zertreten des Raufutters lassen sich so vermeiden. Mobile Heuraufen erleichtern darüber hinaus die separate Versorgung von selektierten Schafen.

2. Abwechslungsreich füttern

Je vielseitiger die Ration ist und je häufiger das Futter frisch vorgelegt wird, umso besser fressen Schafe. Die Tiere lieben abwechslungsreiches und schmackhaftes Futter.

3. Rationen am Bedarf der Tiere ausrichten

Futterrationen eng am Lebens- und Leistungsstadium der Tiere und ihren unterschiedlichen Ansprüchen ausrichten; Fehlversorgungen vermeiden, die Körperkondition der Tiere im Auge behalten.

4. Leistungsgruppen bilden

Bewährt hat es sich, die Schafe einer Herde in Leistungsgruppen einzuteilen und diese getrennt nach ihrem Bedarf füttern (Beispiel für eine Leistungsgruppe: Mutterschafe mit Zwillingen).

5. Futtermittel analysieren

Von jeder Futtercharge eine repräsentative Probe ziehen und in einem Futtermittellabor prüfen, die Untersuchung sollte neben der Analyse der Inhaltsstoffe auch Pilze, Viren und Bakterien umfassen.

Erfahrungen aus den Projektbetrieben MuD Tierschutz

Die Futtermittelanalyse ist eine wenig aufwändige und kostengünstige Maßnahme mit großer Wirkung; wer den Nährwert seiner Rationen kennt, vermeidet die Über- oder Unterversorgung seiner Schafe. Ein Schafhalter konnte mit Hilfe einer Futtermittelanalyse die Verunreinigung des Futters nachweisen und das Verfüttern der Charge stoppen.

6. Mineralfutter anbieten

Bewährt hat es sich, Behälter mit einem vitaminisierten Mineralstoffgemisch aufzuhängen, aus denen sich die Schafe frei bedienen können. Viehsalz sollte über Lecksteine oder Leckschalen ad libitum angeboten werden.

7. Häufige Futterwechsel vermeiden

Um fütterungsbedingte Durchfälle zu vermeiden, sollten abrupte Futterwechsel vermieden werden. Obacht ist insbesondere bei sehr frühem Weideauftrieb mit energiereichem und strukturarmen Futter geboten.

Erfahrungen aus den Projektbetrieben MuD Tierschutz

Französische Schafhalter stabilisieren die Verdauung ihrer Schafe mit speziellen Ansaatmischungen aus Hornklee und Spitzwegerich. Diese Pflanzen sind der Darmgesundheit von Schafen besonders zuträglich. Durch die Beweidung von Flächen mit Hornklee und Spitzwegerich lassen sich fütterungsbedingte Durchfälle reduzieren.

8. Wasser ad libitum

Sauberes Trinkwasser zur freien Aufnahme anbieten. Der durchschnittliche Wasserbedarf eines Schafes liegt bei zwei bis vier Litern pro Tag. Er kann unter Umständen (Sommerhitze, Säugezeit) auf zehn bis 15 Liter pro Tag ansteigen. Die Wasserversorgung muss auch im Winter bei Frost gewährleistet sein.

Erfahrungen aus den Projektbetrieben MuD Tierschutz

Zur Ad-libitum-Versorgung mit frischem Wasser guter Qualität haben sich Weide-Tränkbecken bewährt. Weil sich der Wasserstand dieser Tränken automatisch reguliert, läuft immer frisches Wasser nach. Zudem verfügen die Tränken über ein Ablassventil und sie sind leicht zu reinigen. Ein starkes Verschmutzen der Tränken und die Ausbildung eines Biofilms werden so vermieden.

9. Und: Das Verhalten der Tiere stets im Blick behalten!


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