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Die bisherigen Ergebnisse des Projektes (VerLak) mit Stand Ende 2024 sind vielversprechend. Eine längere Erholungszeit für das Euter und ein stufenweises Reduzieren der Milchmenge scheinen sich positiv auf die Leistung der Kühe in der Folgelaktation auszuwirken.
Testweise wurde die Laktationszeit von Kühen in Praxisbetrieben an ihre jeweilige Milchleistung, Laktationsstadium und -nummer angepasst. Dabei wurden Kühe in der Test- bzw. Versuchsgruppe (VG) im Durchschnitt 47 Tage länger gemolken als in der Kontrollgruppe (KG).
Die 305-Tage-Milchleistung der VG-Kühe war um 2,5 % höher (260 kg mehr), wobei Erstlaktierende keine signifikanten Unterschiede zeigten. Auch wenn bei den Versuchskühen der ersten Laktation die Milchmenge je Melktag gleichblieb, so wurden sie länger gemolken. Auf diese Weise steigerte sich der Gesamtertrag je Laktation deutlich, da sie sehr persistent Milch liefern. Interessanterweise nutzten VG-Kühe ihr Potenzial zum Milchgeben besser aus, da die Besamung leistungsangepasst erfolgte.
Die Körperkondition zeigte bei den VG-Kühen zum Laktationsende eine bessere Kondition als bei KG-Kühen, die teils unterkonditioniert waren. Die Fruchtbarkeit war in der VG ebenfalls besser, mit geringerem Besamungsaufwand, besonders bei Altkühen zeigte sich ein deutlicher Unterschied. Sie brauchten durchschnittlich 0,7 Besamungen weniger, um tragend zu werden. Gesundheitsdaten von insgesamt 824 Kühen (412 in der VG und 412 in der KG) wiesen auf niedrigere Mastitisraten in der VG hin (0,23 vs. 0,31 Fälle pro Kuhjahr unter Risiko). Die kuhangepasste Laktationsverlängerung trug tendenziell zur Reduktion klinischer Mastitiden bei (p = 0,08) und damit zur numerischen Verringerung des Einsatzes von Antibiotika zur Behandlung von Eutererkrankungen. Jedoch war der Betriebseinfluss sehr hoch. Wesentlicher Effekt besteht darin, dass die Kühe im Laufe ihres Lebens seltener die geschwächte Phase nach der Geburt aushalten müssen, wenn die Zeit zwischen den Kalbungen länger werden.
Die positiven Erfahrungen des Projekts verbreiten sich erfolgreich in der landwirtschaftlichen Praxis.
Deutlich wird dies zum Beispiel durch Erhebungen der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern, in denen sich die durchschnittliche Zwischenkalbezeiten der Milchviehbetriebe im Testherden-Programm der RinderAllianz im Vergleich zu den Vorjahren schon deutlich verlängert haben. Allerdings ändern sich mit dem Ansatz der leistungsangepassten Laktationszeit die Anforderungen an die Prozessüberwachung der Herde. Die Nachfrage nach Software-Lösungen steigt. Die Branche der Anbieter von Herdenmanagement-Anwendungen reagiert allmählich auf diese Entwicklung und hat den Kontakt zum Projekt aufgenommen. Spezielles Interesse gilt dem TBS-Rechner (Tierindividueller Besamungsstart), der eigens für das Modell- und Demonstrationsvorhabens entwickelt wurde. Er gilt als Schlüsselwerkzeug zur Planung der kuhspezifisch angepassten Milchproduktion, da er den Laktationsverlauf kalkulieren und prognostizieren kann.
Besondere Schwierigkeiten zeigten sich bei der Nutzung der üblichen Herden-Managementsysteme. Viele Erfolgszahlen müssen neu gedacht werden. Sogenannte Alarm- oder Besamungslisten brauchen eine Neuprogrammierung, damit Kühe bei der Managementmethode der angepassten Laktation termingerecht besamt werden und ökonomisch sinnvoll kalben. Zukunftsorientierte Software-Firmen scheinen die Notwendigkeit erkannt zu haben und arbeiten an Lösungen. So wird eine praxisrelevante Hürde zur Umsetzung der tierindividuell verlängerten Laktation aus dem Weg geräumt sein.
Letzte Aktualisierung 20.03.2025