Hautläsionen bei SauenHautläsionen bei Sauen

Hautläsionen bei Sauen vermeiden

Verletzungen der Haut sind bei Sauen ein ernstzunehmendes Problem. Einflussfaktor ist neben einer nicht bedarfsgerechten Fütterung vor allem die Haltungstechnik im Abferkelstall. Doch es läßt sich vorbeugen.

In den letzten Jahren fand eine enorme Leistungssteigerung im Sauenstall statt. Die Sauen sind großrahmiger, schwerer und fruchtbarer geworden. Doch mit den wachsenden Leistungsanforderungen an die Tiere geht auch eine gestiegene Fürsorgepflicht einher. Hochleistungstiere müssen genau beobachtet und optimal betreut werden. Dazu gehört unter anderem der Liegekomfort im Abferkelstall: Die Sauen verbringen viel Zeit im Liegen, um ihre Ferkel zu säugen.

Dabei können durch die Haltungstechnik Integumentschäden, also Verletzungen an der Haut, wie Zitzenverletzungen, Abschürfungen an den Karpalgelenken oder vor allem bei abgesäugten und unterkonditionierten Sauen Hautläsionen an der Schulter entstehen. Einfluss darauf haben der Bodenbelag, die Aufstallungstechnik, das Alter und die Kondition der Tiere sowie die Genetik. Letztere beeinflusst die Rückenspeckdicke und die Ausformung des Schulterknochens als Faktoren für die Entstehung von Schulterläsionen.

Die Haut ist ein guter Indikator

Die Haut ist die Grenzfläche zwischen Tier und Umwelt. An ihr zeigen sich die mechanischen, thermischen und chemischen Einflüsse auf das Tier, so dass Hautveränderungen oder anders gesagt Integumentveränderungen ein guter Indikator zur Beurteilung von Haltung und Management sind. Mechanische Veränderungen entstehen zum Beispiel durch scharfe Kanten in der Stalleinrichtung und Haltungsumwelt der Sauen.

Die Begutachtung des Integuments zeigt auch soziale Probleme an. Schäden entstehen zum Beispiel bei Rangkämpfen in der Gruppenbildung. Diese Läsionen sind aber dynamische Vorkommnisse und nicht so ernst zu beurteilen wie chronische Schäden durch eine unzureichende Stalleinrichtung. Eine Integumentbonitur, also die Begutachtung der Haut, gibt insgesamt ein gutes Bild über die Gesundheit, die Hygiene, das Verhalten und das Wohlbefinden der Tiere. 

Integumentbonitur als vorbeugende und begleitende Maßnahme

Bei einer Bonitur auf haltungsbedingte Integumentschäden wird die Hautoberfläche in die Regionen Kopf und Hals, Rumpf, Extremitäten samt Klauen, Gesäuge und Vulva nach Veränderungen beurteilt. Veränderungen sind zum Beispiel Kratzer, flächige Abschürfungen, tiefe Wunden, entzündliche Veränderungen mit Umfangsvermehrung oder Klauenhorndefekte und Klauenlänge. Bei Schulterläsionen wird nach Druckstellen, Dellen, Borstenabschürfungen, Schwellungen sowie Wunden und Narben geschaut.

Beim Body Condition Score BCS wird die Körperkondition und je nach Untersuchungsrahmen auch eventuelle Lahmheiten beurteilt.

Wird die Tierbeurteilungen konsequent vor dem Verbringen in den Abferkelstall, kurz nach der Geburt und vor dem Absetzen durchgeführt, ergibt sich guter Eindruck vom Allgemeinzustand der Sau.

Bedarfsgerechte und konditionsorientierte Fütterung

Auch die in allen Reproduktionsstadien leistungsgerechte Fütterung ist eine vorbeugende Maßnahme gegen Schulterläsionen, da die Körperverfassung und Speckdicke einen Einfluss auf die Widerstandsfähigkeit gegenüber der Haltungsumwelt haben. Das subkutane Fett bietet Schutz gegenüber mechanischem Druck.

Unterkonditionierte, zu dünne Sauen bekommen bei hartem Untergrund leicht schmerzhafte Durchliegestellen und Abszesse an der Schulter. Die Durchblutung an der Schulterblattgräte wird gestört.

Oft entsteht ein Teufelskreis, wenn Sauen mit Lahmheiten oder Klauenschäden viel liegen und dann in der Folge Schulterläsionen bekommen. Diese Situation kann durch Lahmheitsbonituren und Klauenpflege bei den tragenden Sauen verminden werden.

Und schließlich: Je älter die Sauen sind, umso weniger Rohfettgehalt haben sie im Körper. Turnusmäßige Bestandskontrollen der Sauen mit Konditionsbeurteilung, Wiegen und Messen der Rückenspeckdicke und gegebenenfalls Erhöhung der Ration beugt Unterkonditionierung vor.

Einfluss von Bodenbeschaffenheit und Stallklima

Schweine bevorzugen eine weiche und verformbare Liegefläche. Diese verringert auch das Risiko für Klauen- und Gelenkerkrankungen sowie Schulterläsionen. Der Boden im Schulterbereich sollte keine scharfen Kanten oder harten Anti-Rutsch-Stege aufweisen. Schultermatten können hier helfen. Diese müssen aber im Schulterbereich durchgehend verlegt sein, damit die Sau nicht auf den Kanten des Mattenträgers aufliegt und sie müssen trocken gehalten werden, weil Feuchtigkeit die Haut aufweichen kann. In Abferkelsystemen, in denen sich die Sau mehr bewegen kann, kommen Druckstellen weniger vor. Es hilft, wenn die Sauen häufiger ihre Lage wechseln können. 

Besonderes Augenmerk ist auf das Stallklima im Sommer zu richten, denn bei Hitzestress ist das Risiko für Schulterläsionen erhöht. Eine wirksame Stallkühlung beugt dem vor.

Fazit

Hautläsionen bei Sauen können ein tierschutzrelevantes Problem werden. Neben der Optimierung der Stallumwelt und der Belüftung kann durch Maßnahmen der Fütterung und Tierbeurteilung vieles zur Vorbeuge getan werden. Eine regelmäßige Klauenpflege, das strukturierte Beobachten des Fundaments auf Lahmheiten und das Schaffen eines guten Liegekomforts sind weitere geeignete Mittel.

Die Ergebnisse der Tierbeobachtung sollten dokumentiert und die Aufzeichnungen ausgewertet werden. Jeder neue Mitarbeiter, jede neue Mitarbeiterin im Sauenstall sollte im Hinblick auf die Tierbeobachtung sensibilisiert und geschult werden. Eine gute Zusammenarbeit aller betreuenden und verantwortlichen Personen hilft auch haltungsbedingten Schäden wie Hautläsionen zu vermeiden

Letzte Aktualisierung 08.02.2021

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