PMSG und AlternativenPMSG und Alternativen

PMSG und Alternativen

Die Ferkelerzeugung ist der aufwändigste Part in der Schweinehaltung. Vor allem beim Anstreben der Kostenführerschaft ist hohe Effizienz gefragt.

Zentrales Element dabei ist die Fruchtbarkeit der Sau, die sich zunächst an der Brunst des Tieres orientiert. Mit der Zusammenlegung von Sauen in Gruppen werden auch individuelle Brunstzyklen zusammengeführt. Für einen geordneten Arbeitsablauf über das ganze Jahr hat sich in den meisten Betrieben ein fester Produktionszyklus etabliert.

Fütterung und Haltung, aber auch Lichtprogramme können die Brunst von Sauen in Gruppen stimulieren und synchronisieren. Damit lassen sich ständige Bestandsveränderungen vermeiden. Auch werden so die Voraussetzungen für die Rein-Raus-Methode geschaffen, die Grundlage für eine hygienische Haltung von Sauen und Ferkeln ist.

Von der Brunst- zur Ovulationssynchronisation

Die Synchronisation ermöglicht das zeitnahe Abferkeln größerer Gruppen, die Lieferung großer Partien an Ferkeln an den Mastbetrieb und schließlich die Anlieferung einheitlicher Partien an die Schlachthöfe. In vielen großen Sauenbeständen hat daher eine hormonelle Brunstsynchronisation ihren festen Platz.

Kenntnisse über die am Zyklus beteiligten Hormone haben den Wissensstand hierzu in den letzten Jahren immer weiter verbessert. Das vom Hypothalamus gesteuerte Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) setzt das Follikel stimulierende Hormon (FSH) und das Luteinsisierungshormon (LH, Follikelreifung) frei. Progesteron hemmt das GnRH, Östrogen stimuliert es.

Die Einflussmöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verfeinert. Aus der anfänglichen Synchronisation der Brunst entwickelte sich das Verfahren der Ovulationssynchronisation, so dass auch die Besamungen alle zur gleichen Zeit durchgeführt werden konnten. So ließ sich der Zeitraum für die Besamung einer ganzen Sauengruppe deutlich verkürzen.

PMSG in der Kritik

Die Synchronisation der Sauen unter Einsatz des Hormons PMSG/eCG (Pregnant Mare Gonadotropin/ neue Bezeichnung equine Chorion Gonadotropin) ist effektiv, steht aber in der Kritik. Denn das Hormon wird meist unter widrigen Umständen aus dem Blut eigens dafür gedeckter Stuten gewonnen.  

An Alternativen wird geforscht. Es sind bereits neue synthetische Wirkstoffe vorhanden, die als GnRH-Analogon wirken. Das gilt für die Brunst- als auch für die Ovulationssynchronisation.

Die Suche nach Alternativen zu PSMG/eCG und der Wissenstransfer zu diesem Thema ist auch Teil der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz, die im Rahmen der Nutztierstrategie und hier im Bundesprogramm Nutztierhaltung gefördert werden. Arbeitsgruppen der Universitäten Gießen und Leipzig forschen derzeit an Alternativen zu PMSG/eCG und vermitteln ihr Wissen an die Praxis und Fachberatung.

Gruppe, Fütterung und Licht als unterstützenden Faktoren

Die seit Anfang 2013 vorgeschriebene Gruppenhaltung von Sauen begünstigt eine natürliche Angleichung der Sexualzyklen zwischen den Sauen.

Über die Fütterung kann zusätzlich durch das Flushing Einfluss auf den Zyklus genommen werden. Dabei bekommen die Sauen rund eine Woche vor dem Decken eine energiereiche Futterration von drei Kilogramm je Tier und Tag. Empfohlen wird eine Körperfettdicke 16 Millimeter Körperfett. Dies reguliert und speichert Sexual- und Geschlechtshormone und wichtige fettlösliche Vitamine. In Fettzellen bildet sich zum Beispiel das Hormon Leptin, das für den Sexualzyklusablauf wichtig ist.

Auch mit Hilfe von Lichtprogrammen können Sauen in einem Stall auf einen zeitlichen Sexualzyklus gebracht werden. Ein langer Lichttag von 12 bis 18 Stunden bei einer Beleuchtungsstärke von 80 Lux stimuliert die sexuelle Entwicklung der Jungsauen. 

Bei Jungsauen können zusätzlich Eingliederungsprogramme helfen. Dazu werden die Jungsauen etwa 45 Tage vor dem geplanten Belegtermin in einen eigenen Stall gebracht und erhalten das energiereiche Futter für die Bildung eines dicken Rückenspecks. Die separate Aufstallung gibt den Jungsauen gleichzeitig Zeit, sich an die neue Keimumgebung zu gewöhnen. Eine kurzfristige Umstallung mit Eberkontakt und Kontakt zu rauschenden Altsauen kann schließlich die Rausche bei den Jungsauen induzieren und synchronisieren.

Entscheidend bleibt die Beobachtungsgabe und die Erfahrung der Tierbetreuer und Tierbetreuerinnen. Durchlaufen Jungsauen zwei Sexualzyklen vor der ersten Belegung, erzielen sie im ersten Wurf fast ein Ferkel mehr, berichten Praktiker. Die tägliche Brunstkontrolle kann durch Sichtkontakte zu einem Eber erleichtert werden. Hierzu gibt es zum Beispiel Ansätze, die Anzahl der Sichtkontakte durch Sensoren zu erfassen. Ziel ist es, einen Grenzwert für die Brunsterkennung zu ermitteln.

Letzte Aktualisierung 08.02.2021

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