Kranke Klauen früh erkennenKranke Klauen früh erkennen

Kranke Klauen früh erkennen

Klauenkrankheiten gehören mit zu den häufigsten Erkrankungen bei Milchkühen. Die Kühe zeigen Lahmheiten oft schon in einem frühen Stadium an, so dass durch gezielte Tierbeobachtung frühzeitig gegengesteuert werden kann.

Gesunde Klauen und ein gutes Fundament sind die Basis für lauffreudige Kühe. Laufen ist die Voraussetzung für eine optimale Futteraufnahme und Milchleistung der Tiere. Insbesondere Milchviehbetriebe mit automatisiertem Melken sind darauf angewiesen, dass die Kühe gut laufen können, damit sie häufig genug zum Melkroboter gehen. Klauenerkrankungen und Lahmheiten sind multifaktoriell bedingt. Genetik, Fütterung, Haltungsumwelt und Management haben Einfluss auf Klauenhorn und Hornqualität. Die Qualität des Klauenhorns ist direkt züchterisch bearbeitbar, ebenso werden die Gliedmaßen züchterisch beeinflusst. Eine fehlerhafte Gliedmaßenstellung führt zu einer übermäßigen Belastung von Klauen, Sehnen und Bändern. 

Es lohnt sich also, bei züchterischen Entscheidungen wie der Bullenauswahl auf eine korrekte Winkelung und Stellung der Beine zu achten und den Rinderzuchtwert Klauen mit der Mortellaro-Resistenz als vorbeugenden Gesundheitsschutz in die Zuchtwahl einzubeziehen. 

Tierbeobachtung hilft Lahmheiten vorzubeugen

Wenn Lahmheiten und infektiöse Klauenerkrankungen auftreten, ist die Behandlung ungleich schwieriger als wenn man diesen so gut wie möglich vorbeugt. Dazu gehört die konsequente Tierbeobachtung auf Bewegungsunregelmäßigkeiten. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kuhstall sollten in der Beurteilung von Lahmheiten geschult sein. 

Schont die Kuh im Schritt und ist die Lahmheit nur in der Bewegung sichtbar ist, spricht man von einer niedriggradigen Lahmheit. Bei der mittelgradigen Lahmheit schont die Kuh ihre Gliedmaßen auch im Stehen. Eine hochgradige Lahmheit liegt vor, wenn die Kuh die Extremität nicht mehr belastet oder den Boden nur noch mit der Zehenspitze berührt. 

Hierzu gibt es einige hilfreiche Anleitungen; zum Beispiel das E-Learning-Portal "Klauenfitnet".

Vorgehen dokumentieren und Verläufe erkennen

Beurteilt werden die Schrittlänge und die gleichmäßige Belastung der Gliedmaßen. Ein standardisiertes Vorgehen beim Lahmheits-Scoring hilft, den Anteil lahmer Kühe im Bestand unabhängig von der beurteilenden Person herauszufinden und zu bewerten. Nur so ist eine wiederholbare Aussage möglich. 

Die Dokumentation hilft auch dabei zu erkennen, ob sich die Klauenerkrankungen gebessert haben. 

Die Lahmheits-Beurteilung sollte nicht im Zeitraum von sechs Wochen vor und nach der Klauenpflege durchgeführt werden, sofern diese als Bestands-Klauenpflege durchgeführt wird. 

Um eine aussagekräftige Erkennung des Anteils lahmer Kühe im Bestand zu erkennen, muss die beurteilende Person das Gangbild der Kühe möglichst über eine gerade Strecke von mindestens 10 Meter auf festem Boden bei gutem Licht bewerten können. Die automatisierte Auswertung des Laufens per Pedometer ist neben der manuellen Laufbeurteilung eine weitere Möglichkeit, die das Laufverhalten seiner Kühe zu analysieren. 

Einfluss Fütterung 

Eine Kraftfutterüber- oder Fehldosierung hat Auswirkungen auf den Stoffwechsel und damit auf Klauenlederhaut und Klauenhorn. Stoffwechselkrankheiten entstehen, wenn das Kraftfutter zu plötzlich oder in zu großer Menge auf einmal in den Magen gelangt, wenn es zu rasch abbaubar ist oder im Verhältnis zum Kraftfutter zu wenig Raufutter gefüttert oder aufgenommen wurde. 

Übersäuerung/Acidose, Acetonämie/Ketose und Alkalose haben immer auch Auswirkungen auf die Klauengesundheit und es kommt zu einer örtlich begrenzten, nicht infektiösen Klauenlederhautentzündung bis zur Klauenrehe. Eine korrekte Dosierung von Kraftfutter, eine gute Rohfaserversorgung und eine ausgewogene Ration sind also wichtig, um Klauenkrankheiten vorzubeugen.

Regelmäßige Klauenpflege

Eine regelmäßige Klauenpflege ist heute auf den Milchviehbetrieben selbstverständlich.

Der Klauenpfleger achtet darauf, dass die Hohlkehlung ordentlich ausgeführt und der Tragrand intakt ist, damit es nicht zu Blutergüssen, Rusterholzschem Klauengeschwür oder Zwischenklauenwulst sowie Überlastungen des Gangapparates kommt. Lieber öfter wenig schneiden und wenig abtragen als gröbere Korrekturschnitte, lautet das Motto einer konsequent durchgeführten Klauenpflege im Milchviehbetrieb. Viele, vor allem größere Milchviehbetriebe sind inzwischen dazu übergegangen, den Klauenpfleger alle zwei Monate auf den Betrieb zu holen und dann immer nur wenige Kühe auszuschneiden. Das hat große Vorteile gegenüber der halbjährlichen oder jährlichen Bestandsklauenpflege, weil die Herde immer unter Klauenkontrolle steht und sich Lahmheiten und Klauenkrankheiten gar nicht erst manifestieren können. Es gibt langsam verlaufende Klauenleiden wie Bluterguss, Rusterholzsches Sohlengeschwür, Ballenhornfäule oder Zwischenklauenwulst (Limax) und schnell verlaufende Klauenleiden wie einen eitrigen Sohlenwandabszess, Panaritium (Phlegmone) und Mortellaro (Dermatitis Digitalis). Erstere wie zum Beispiel das Rusterholzsche Sohlengeschwür können gut durch rechtzeitige und korrekte Klauenpflege verhindert werden. Auch ein regelmäßiges Klauenbad sorgt für Klauenhygiene und Keimverminderung. Wichtig: Klauenkranke Rinder müssen in ein Krankenabteil mit weichem Boden oder Einstreu gebracht werden.

Einfluss Haltungsumwelt

Eine gute Haltungsumwelt bietet der Milchkuh im Hinblick auf die Klauen genügend Bewegung für genügend Abrieb, saubere Laufwege und einen Wechsel zwischen hartem Boden im Laufgang oder Laufhof und weichem Boden in der Liegebox oder auf der Weide. Beton verursacht beispielsweise Druck auf die Klauen und kann zu Reizwuchs und Stallklauen führen. Deswegen ist eine regelmäßige Klauenpflege unabdingbar. 

Die beste Hornqualität liegt bei einer normalen Feuchtigkeit des Horns von 20 bis 30 % vor. Bei zu wenig Feuchtigkeit der Klaue wird diese spröde und es bildet sich Zerfallshorn, bei zu viel Feuchtigkeit kommt es zu Reizhornbildung und Wildwuchs. Feuchtigkeit und Schmutz begünstigen außerdem infektiöse Klauenkrankheiten wie die Mortellaro-Krankheit. 

Deswegen sollten die Laufwege im Boxenlaufstall regelmäßig gesäubert werden. Das kann von Hand geschehen oder automatisch mit einem Spaltenreinigungsroboter oder einem Schieber für die planbefestigten Laufgänge. 

Fazit

Wehret den Anfängen! So könnte man das Motto einer guten Klauengesundheit im Milchviehbestand nennen. Neben der allgemeinen Haltungsoptimierung durch eine leistungsgerechte Fütterung und Gestaltung von Lauf- und Liegeflächen gehören das regelmäßige Lahmheits-Scoring und die regelmäßige Klauenpflege in kurzen Intervallen dazu, damit sich Klauenprobleme gar nicht erst in der Herde manifestieren können.

Letzte Aktualisierung 08.02.2021

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