Digitale SchwachstellenanalyseDigitale Schwachstellenanalyse

Was uns die Kühe sagen

Tiere beobachten – Fehler erkennen – Ursachen finden: Das Software-Programm CowsAndMore unterstützt Berater bei der systematischen Analyse von Schwachstellen in Milchviehbetrieben.

Kühe senden uns ständig Signale, aus denen wir Informationen über ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden, ihren Ernährungszustand und ihre Leistungsfähigkeit ableiten können. Wer gut hinschaut und genau beobachtet, der kann Schwachstellen in einem Milchviehstall schnell ausmachen und ungenutztes Potenzial entdecken. 

Doch meist sehen wir nur das, was wir sehen wollen. Und aufgrund unserer individuellen Erfahrungen und unseres fachlichen Hintergrundes interpretieren wir eine Situation im Stall sehr subjektiv. Deshalb hat beispielsweise ein Landwirt andere Dinge im Blick als ein Fütterungsberater oder ein Wirtschaftsberater. Und ein Produktionstechniker sieht vieles anders als ein Tierarzt. Dazu kommt, dass sich die Szenerie in einem Stall je nach Tageszeit stets anders darstellt. So wird derjenige, der die Nutzung der Liegeboxen eines Milchviehstalles morgens beurteilt (wenn alle Tiere am Futter stehen) ein anderes Bild von der Situation im Stall erhalten als derjenige, der abends kommt, wenn Ruhe herrscht.

Wie aber gelingt es, die Haltung und das Management in Milchviehbetrieben objektiv zu bewerten? Wie können ungünstige Haltungsbedingungen, Krankheiten und Risikofaktoren frühzeitig erkannt werden? Wie schafft es der Berater, eine eventuelle Betriebsblindheit aktiv zu durchbrechen und wie findet er die richtigen Maßnahmen zum Beheben von Schwachstellen auf einem Milchviehbetrieb?

Das Programm CowsAndMore

Die Lösung hierfür ist ein ganzheitliches System, das den Berater - unabhängig von dessen fachlichen Hintergrund – beim Erfassen der tierbezogenen Daten und bei der Analyse der Schwachstellen unterstützt. 

Hier setzt das Programm (die Software) CowsAndMore an. Es bietet Beratern eine einheitliche Grundlage zur differenzierten Beurteilung einer Situation auf Milchviehbetrieben, und zwar sowohl in Bezug auf tierbezogene Merkmale als auch auf die eingesetzte Technik und auf das Management. Im Blick stehen sowohl quantitative Merkmale (zum Beispiel Milchleistung, Körpertemperatur oder Tier-Fressplatz-Verhältnis) als auch qualitative Merkmale (zum Beispiel Körperkondition, Sauberkeit, Scheuerstellen).

Die erste Variante des Programms entwickelten Fachleute des Versuchs- und Bildungszentrums Landwirtschaft Haus Düsse und der proPlant Agrar- und Umweltinformatik GmbH bereits im Jahr 2006. Sie diente dazu, Unzulänglichkeiten in Liegeboxenlaufställen von Milchkühen zielgerichtet zu entlarven. Mittlerweile gibt es CowsAndMore als mobile Anwendung für die Betriebssysteme iOS, Android und Windows, so dass wichtige Daten direkt im Stall auf dem Tablet oder im Handy erfasst werden können. Als intelligentes Assistenzsystem leitet CowsAndMore seinen Benutzer systematisch durch den Betrieb und schaut gezielt in die Ecken der Haltungsumwelt von Kühen. Dies geschieht in vier Schritten:

1. Schritt: Erfassen des Status quo auf einem Milchviehbetrieb

Bei einem Rundgang durch den Stall, der jeweils drei Stunden nach der Futtervorlage mit dem so genannten Liegeboxencheck startet, erfasst der Berater mit Hilfe von CowsAndMore zunächst verschiedene Parameter zum Verhalten, zur Erscheinung und zum Stoffwechsel der Kühe. Der genormte Beginn ist wichtig, damit die Daten immer die gleiche Situation widerspiegeln: Drei Stunden nach der Futtervorlage sollten mindestens zwei Drittel der Herde in den Boxen liegen und wiederkauen. 

Während des Liegeboxenchecks führt das Programm den Nutzer systematisch von einer Kenngröße zur anderen. Zuerst fragt es ab, wie viele Tiere fressen, laufen, stehen oder liegen. Weitere Parameter, die der Berater während des Rundgangs mit Hilfe des Programms aufnimmt, sind:

  • die Zeitspanne, die eine Kuh benötigt, um sich in der Liegebox abzulegen (Abliegedauer), 
  • der Liegeboxenkomfort-Index (Kennzahl für den Anteil korrekt liegender Kühe in den Boxen), 
  • die Kotverschmutzung der Liegeboxen und 
  • die Qualität der Liegeflächen (zum Beispiel Muldenbildung in Tiefboxen, Qualität der organischen Abdeckung in Hochboxen).

Zusätzlich werden bei mindestens 20 Prozent der Tiere Verschmutzungsgrad und Verletzungen erfasst. Der Berater registriert hierzu die Sauberkeit derjenigen Körperregionen, denen eine direkte Beeinflussung aus Haltung und Management zugeordnet werden kann (zum Beispiel Bauch oder Hinterhand). Für die Bewertung nutzt er einen Hygieneschlüssel. Für die Beurteilung von Hautveränderungen und Verletzungen nimmt er sechs Körperregionen in den Fokus (Karpalgelenke, Tarsalgelenke, Wamme, Widerrist, Wirbelsäule und Knie).  

Damit das Programm später Verknüpfungen zu den Tierdaten herstellen kann, erhebt der Berater alle relevanten bautechnischen und produktionstechnischen Merkmale des Milchviehbetriebs. Darüber hinaus kann er auch den Schwerpunkt seiner Analyse bestimmen (zum Beispiel Liegeboxencheck, Klauencheck, Check der tierbezogenen Merkmale).

2. Schritt: Auswertung der Daten - Schwachstellen erkennen

Die Daten, die der Berater bei seinem Rundgang ermittelte, werden von CowsAndMore im zweiten Schritt ausgewertet. Das Programm stellt die Daten in Form von Diagrammen, Tabellen und Skizzen grafisch dar und vergleicht sie mit definierten Ziel- oder Referenzwerten sowie mit den Werten ähnlich strukturierter Betriebe. Auf diese Weise erhält der Berater einen guten Überblick über die Ist-Situation im Stall und kann die potenzielle Schwachstellen schnell ausmachen.

3. Schritt: Ursachen finden (Analyse)

Diese Schwachstellen wertet der Berater nun aus und zieht seine Schlussfolgerungen daraus. Auch dabei hilft ihm das Programm. Es verknüpft die Daten intelligent mit möglichen Ursachen und Risikofaktoren im Betrieb.

4. Schritt: Maßnahmen erarbeiten (konkrete Beratung)

Alle unerwünschten Abweichungen, die während des Stallrundgangs registriert wurden, fasst CowsAndMore auf zwei so genannten Signalseiten zusammen und listet eine Reihe von konkreten Optimierungsvorschlägen auf, die gezielt auf den jeweiligen Betrieb und sein Management abgestimmt sind. Berater und Landwirt können nun gemeinsam erarbeiten, welche Maßnahmen sofort und zielgerichtet in die Wege geleitet werden sollen.

Wie geht es weiter? 

Das Programm CowsAndMore ist mittlerweile seit einigen Jahren auf dem Markt und findet sowohl in der Beratung als auch in der Ausbildung breite Anwendung. So sollen zum Beispiel angehende Tierärzte vermehrt für diese Thematik sensibilisiert werden und lernen, genau hinzuschauen. Von seinen Entwicklern wird die Software stetig um verschiedene Module erweitert. Dazu zählen aktuell:

  • das Modul MobilityCheck: Hier dreht sich alles um das Laufverhalten der Kühe und um die Klauengesundheit.
  • das Modul Body Condition Score: Mit diesem Modul wird die Körperkondition einer Herde beurteilt. Teile dieses Moduls können Landwirte auch selbständig nutzen, da eine Einschätzung der Körperkondition öfter erfolgen sollte. 
  • das Modul CowConnect: Hierbei dreht sich alles um die Milch. Unter anderem fließen Daten aus der Milchkontrolle sowie Eutergesundheitskennzahlen ein.

In Zukunft soll noch ein Modul zur Beurteilung der Entwicklung von Kälbern und Jungrindern hinzukommen. Weitere Informationen erhalten Interessenten auf der Webseite von CowsAndMore.

Letzte Aktualisierung 08.02.2021

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